Sieben Blinde von Patrick

Posted by in Blind-Tasting Review

Mein Blog startet direkt mit einer Reihe von Blind-Samples (7 Stück), welche Patrick aka wissensdurstig aus dem Rum-Club Forum Thomas aka airprib und mir zugeschickt hat. Diskussionen zu den Rums und die Auflösung durch Patrick könnt ihr direkt im Thread „Thomas Blindtatsing Duell“ mitverfolgen. An dieser Stelle nochmal ein großes Danke an Patrick für die tolle Idee eines Blind-Battles und natürlich für die Rums bzw. Destillate.

Anam na h-Alba Tullibardine 2010, Sherry Cask, 6y, 54,4% (Bonus-Sample) – Päckchen auf und aus dem Fläschchen gerochen kam mir direkt der Gedanke, dass ist doch kein Rum?! Nach 10 Minuten abgedeckt im Glas rieche ich eher Getreide als Melasse oder Zuckerrohr. Nach dem Abdecken und weiteren 10 Minuten warten kommen ganz leichte Raucharomen dazu und eine angenehme Süße. Klebstoff und Schwarztee sind noch zu erkennen. Am Gaumen setzt sich das Getreidige fort => das kann nur ein Whisky sein (bzw. definitiv kein Rum – hoffentlich). Ich nehme noch Gras, Kräuter und eine leichte (rote) beerige Süße wahr. Könnte ein Sherry oder Port Finish sein. Prozenttechnisch liegt er wohl bei 51-52% und vom Alter her dürfte es eher ein jüngerer Kandidat sein (7-9 Jahre). Der Abgang gestaltet sich mittellang und bittersüß, wobei die Betonung eher auf bitter als auf süß liegt. Die Bitterkeit könnte jetzt auf einen älteren Kandidaten hindeuten, da spricht die Komplexität aber eine andere Sprache. Deshalb vermute ich mal ein etwas aktiveres Fass.
Ich hoffe mal, dass das Bonussample kein Gepansche war und hoffentlich auch kein junger Columnstil Rum der mit Whisky „überfinisht“ wurde. Es müsste Whisky sein, aber da hören meine Erfahrungswerte auch schon fast auf. Wie gesagt ein eher jüngerer Kandidat mit knapp über 50%. Da ich hier im Blindbattle gegen airprib/Thomas stehe und ich seinen Lieblingsabfüller kenne, vermute ich mal noch den Abfüller „Anam na h-Alba“.
Wie hat er mir gefallen? Naja… nicht wirklich mein Fall. Ein Note oder Punkte maße ich mir hier nicht an zu geben, da Whisky nicht mein Metier ist.

 

La Mauny Rhum Tres Vieille Cuvée, Martinique, 10y, 40% (Blind-Sample 1) – Die Nase sagt Agricole, da frischer Rohrzucker zu riechen ist, viel Eiche und Daddeln kommen dazu. Am Gaumen setzt sich die Eiche fort. Salz, Vanille und eine leichte Säure in Form von unreifen roten Früchten wie Brombeeren kommen dazu. Der Abgang ist mittel lang bis lang und zeigt auch wieder Eiche mit einer leichten Süße. Agricoles sind auch nicht gerade mein Spezialgebiet, davon habe ich aber schon einige mehr getrunken als Whiskys. Dieser Rum erinnert mich an Clement, J. M oder J. Bally Rhums und müsste aus Martinique sein, 42-44% aufweisen und ca. 10 Jahre alt sein. Guadeloupe, sowie Trois Rivieres, Depaz und Neisson würde ich mal ausschließen, da diese Rums ein anderes Profil auzeigen. 74 Punkte.

 

The Secret Treasures Selection Privèe Vendom, St. Lucia, 9y, 53% (Blind-Sample 2) – Eine angenehme Süße in Form von Honig und Ananas ist in der Nase wahrzunehmen. Unreife Bananen gefolgt von leichtem Klebstoff und einer Kombination aus Medizin und Kräuter, ähnlich den 2000 Long Ponds – aber nicht identisch. Die Nase gefällt mir sehr gut und ich würde sagen, ich weiß jetzt schon, aus welcher Destille dieser Rum ist! Am Gaumen geht der Honig dann komplett auf, zudem kommen noch Holzaromen vom Fass dazu, die ich in dieser Intensität in der Nase noch nicht wahrnehmen konnte. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden und dürfte bei ~55% liegen. Am Gaumen geht es genauso weiter, wie in der Nase: der Honig geht über in eine Kombination aus Medizin und Kräutern – was mich nun aber eher an die WIRD 2000 Batch erinnert als an die Long Pond 2000 Batch. Dieser Rum sollte aber definitiv aus St. Lucia sein und aus der Vendom Potstil stammen. Würde ich jetzt nicht schon den TST Vendom 9y im Kopf haben, würd ich sagen, dass der Rum ca. 13-14 Jahre alt sein dürfte. Ein mittellanger Abgang mit den selben Wahrnehmungen des Gaumens runden diesen schönen Rum ab. 90 Punkte.

 

Pfanner Single Barrel No. 86, Österreich, 3y, 56,1% (Blind-Sample 3) – Ganz leichter Alkohol in der Nase gefolgt von einer geballten Ladung frisch aufgeschnittener grüner Äpfel und unreife Bananen. Der grüne Apfel und die unreife Banane sind so präsent, dass ich erstmal nichts anderes rieche. Nach ca. 20 Minuten Standzeit kommt Klebstoff, Vanille, Ananas und ganz leichter Ester dazu – so stelle ich mir den Geruch eines Hampdens ohne die übermäßige Esterkomponente vor. Am Gaumen ist der grüne Apfel und die Banane auch übermäßig stark präsent, hier kommt allerdings eine leichte angenehme Süße hinzu. Der Rum dürfte ungefähr 56-57% haben. Die Süße geht in ein Geschmack von Kräutern und leichtem Anis über. Der Abgang ist mittellang mit einer leichten bitteren Note von Anis.
Ein Rum mit einer hohen Qualität der durchaus gefallen kann – was er auch tut. Leider dominiert für mich der Geschmack des grünen Apfels und der Banane ein wenig zu stark. Ich würde ihn auf 56-57% schätzen mit einem Alter von 12-14 Jahren. Im ersten Moment hätte ich ihn nach Réunion/Savanna gelegt, nach einer Standzeit von 20-30 Minuten kamen aber immer mehr Charakteristika aus Jamaika (und teilweise auch Guyana) hinzu. Für mich ist der Rum ein Mix aus Savanna und jamaikanischen Rums – wobei die jamaikanischen Merkmal definitiv überwiegen. Für einen Rum aus Hampden hat er viel zu wenig Estern, auch wenn der Apfel in der Nase ein starkes Indiz wäre. Man findet auch viele Merkmale aus Long Pond. Der überwiegende Teil an Indikatoren fällt aber auf Worthy Park zurück. Wobei ich sagen muss, dass ich, egal aus welcher Destille der Rum stammt, ihn nicht als typischen Vertreter dieser Destille bennen würde. Er ist ganz anders – was auch durchaus bedeuten kann, dass er a.) aus einer jamaikanischen Brennblase kommt, die ich noch nicht kenne, b.) ein jamaikanischer Blend ist (was bei Fassstärke eher unwahrscheinlich ist oder c.) vielleicht sogar aus einem ganz anderen Land kommt. 83 Punkte.

 

Adelphi Hampden 2000, Jamaika, 15y, 54,3% (Blind-Sample 4) – Nach 5 Minuten Deckel drauf, tief die Nase reingehalten: leicht säuerlich, ganz leichter Ester, Nuss, verschiedene Kräuter. Nach 20 Minuten atmen hat sich der Ester ein wenig verstärkt und dazu kommt Schokolade, Holz, Trauben&Beeren mit einer minimalen süßen Note – erinnert mich ein wenig an Ritter Sport Rum Trauben Nuss. Am Gaumen dann Ananas, Ester, Kräuter, Medizin und Eiche, die in den Abgang übergeht, wo wieder die Ritter Sport zu finden ist, mit einer schwachen bitteren Süße.
Aus meiner Sicht ein Hampden, aber nicht wie er im Buche steht. Zum einen wegen dem schwachen Ester (somit vermutlich aus 2000) und zum anderen wegen den Schoko-Nuss-Traube/Beeren Assoziationen. Im ersten Moment, der Nase nach, hätte ich den Rum nach Long Pond gelegt. Als der Ester aber dann stärker wurde und die Kräuter in den Hintergrund gegangen sind und durch Frucht/Ananas ersetzt wurden, war Hampden für mich nicht wegzudiskutieren. Hinter diesem Rum vermute ich den Adelphi Hampden 2000 mit 15 Jahren und 54,3%.
Summa summarum ein wirklich guter Rum, der aber leider nicht mit der Jamaika Welt, die ich kenne, mithalten kann – aber vielleicht auch zwangsläufig nicht muss, da er einfach ein wenig anders ist und dadurch auch ein Alleinstellungsmerkmal hat. Vielleicht auch ein guter Rum, um Neulinge an Hampden ranzuführen. 83 Punkte.

 

A.D. Rattray Caroni 1997-2012, Trinidad, 14y, 46% (Blind-Sample 5) – Beim Einschenken ist direkt schon klar, aus welcher Destillerie dieser Rum stammen muss. Das ist ein Caroni! Der Nase nach dürfte dieser Rum auch nicht in Fassstärke abgefüllt worden sein, da der Alkohol nur ganz schwach wahrzunehmen ist. Dafür aber umso intensiver: Petroleum, Benzin und verbranntes noch rauchendes Gummi. Im Mund zu Beginn eine leichte Süße, welche bis zum Abgang immer trockener wird. Am Anfang eine starke Würze – getrocknete Daddeln und Pflaumen – welche in die Aromen, die in der Nase präsent waren übergeht: Petroleum, Benzin und Gummi mit etwas Rauch. Im Abgang dann Eiche, Bitterschokolade und Tabak – trocken und lange. Ein guter Rum, aus einer leider längst geschlossenen Brennerei. Vermutlich mit 47-50% abgefüllt worden und auch etwas jünger (~13-15y) als die Abfüllungen, die ich überwiegend kenne. Ein paar Prozente mehr und er hätte ein kleines Monster werden können. 84 Punkte.

 

Karukera Millésime 2000, Guadeloupe, 10y, 50,8% (Blind-Sample 6)
Ich rieche Alkohol, Gras, Erde und Zuckerrohr – die Nase sagt trocken! Der Gaumen scharf, trocken und eine ganz leichte Bitterkeit. Scharf im Sinne von nicht gut eingebundener Alkohol mit vermutlich 48-50%. Wahrscheinlich ein Agricole Rhum, der nicht gerade alt ist (3-4 Jahre). Schade, den Schlieren nach hätte ich auf einen mittelalten R(h)um getippt. Der Abgang ist mittellang bis kurz. Nicht so ganz mein Fall! Ich hoffe nicht, dass es eine ältere Köstlichkeit ist, denn das Rest-Sample ist für einen Cocktail verplant ;-). 68 Punkte.