Drei blinde weiße Rhums aus Guadeloupe

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Noch bevor ich meinen Blog gestartet habe, habe ich bei uns im Rum Club Forum beiläufig erwähnt, dass ich noch nie einen weißen Rum blind getrunken habe. Ein paar Tage später kam der Postbote mit einem Päckchen von Eric aka Sani28 mit einem weißen Blinden und ein Päckchen von Ralf aka Mowgli mit zwei weißen Blinden an Bord – wir haben eine echt coole Community! Danke Jungs für diese Aufmerksamkeit. Da es mir recht schnell klar war, dass es sich bei allen drei Blind Samples um Agricoles handeln muss, stell ich euch diese drei nun in einem blinden Crosstasting vor.

Bologne Black Cane weiß, Guadeloupe, 50% (Sani Blind-Sample 1) – meine Nase nimmt Gras, frisch geschnitte Blumen, weiße Trauben war. Das muss ein Agricole sein! Am Gaumen dann eine kleine Explosion (weder im positiven noch im negativen Sinn), da der Rum wohl ca. 50% hat und nicht geatmet hat. Zitrusfrüchte kommen dazu und in dem Abgang übergehend erdige Aromen. Durch diese erdige Aromen ist der Abgang länger, als ich es von einem weißen Agricole erwarten würde. Mir gefällt er ganz gut. Ich tippe mal auf einen Agricole aus Martinique oder wie ich vor kurzem gelernt habe von Karukera (Guadeloupe) mit 50%. 7,8/10 Punkte.

 

Longueteau Blanc Parcelle N° 1, Guadeloupe, 55% (Mowgli Blind-Sample A) – In der Nase: Gras, eine milde Süße, um einiges floraler/heller als Sanis Blind-Sample und Blind-Sample B von Mowgli. Am Gaumen eine Wucht von Alkohol übergehend in eine sehr angenehme Süße mit einem Tick Ingwer – ca. 50%. Ein frischer süßer mittellanger Abgang mit einem Blumenbeet im Mund. Auch hier wahrscheinlich wieder ein Agricole mit der Tendenz zu Martinique. 8,4/10 Punkte.

 

Longueteau Blanc Parcelle N° 9, Guadeloupe, 55% (Mowgli Blind-Sample B) – Hier auch Gras, ähnliche Nase wie von Sanis Blind-Sample plus zusätzlich grüne Oliven. Am Gaumen setzt sich die grasige Komponente fort, gepaart mit Limette und auch wie in Sanis Blind-Sample: erdige Aromen – nur nicht ganz so pregant. Im Abgang findet man wieder die Oliven aus der Nase und die Erde vom Gaumen. Entweder ist der Alkohol nicht ganz so gut eingebunden wie bei Sanis Blind-Sample oder er hat ein paar % mehr (50-55%). Das sollte auf jedenfall auch ein Agricole sein und ich tendiere zu Guadeloupe. 7,9/10 Punkte.

 

Besonders erwähnenswert bei diesem Cross-Tasting ist der Unterschied der beiden Longueteaus mit dem Wissen, dass es eigentlich der selbe Rum ist. Der kleinen aber feinen Unterschied besteht darin, dass das Zuckerrohr nur ein paar hundert Meter voneinander entfernt, unter verschiedenen Bedingungen angebaut wurde. Der Parcelle N° 1 Rhum wurde in der Nähe des Atlantiks angebaut, wo die Niederschlagsmengen anscheinend ziemlich hoch sind. Der Parcelle N° 9 hingegen wurde an den Hängen eines Vulkans angebaut. Im nachfolgenden Foto sind beide Parcellen eingezeichnet. Vielen Dank Miriam für die Fotos!

Nachtrag: was ich euch natürlich nicht unterschlagen wollte ist, dass ich mir mit allen dreien aus jeweils 1,5cl drei Ti Punches gemixt habe und diese auch miteinander verglichen habe.