4-mal Jamaika – Lost Distillery Long Pond

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Im heutigen Cross-Tasting Review kommt eine Reihe Rums aus Jamaika unter meine Nase. Ganz konkret: vier Rums der Long Pond Destillerie aus dem Batch von 2000. Direkt in der Einleitung erwähnenswert sind die beiden Rums von „The Warehouse Rum“ und „Rum Dealers Selection“, da beide Abfüllungen aus ein und dem selben Fass kommen. Der einzige Unterschied, neben dem der verschiedenen Abfüller, ist der Alkoholgehalt. Welche Auswirkungen das auf den Rum hatte, wie mir die Verdünnung gefallen hat und wie diese beiden Rums im Vergleich zu den anderen beiden stehen, könnt ihr den nachfolgenden Notes entnehmen 🙂

Vorher noch ein kleines Dankeschön an die Sample-Dealer und Fotographen Marco(Nekkandor), Mark(Rumlounge), Marcel(RUMZ) und Malte(casaBARcardi)

The Warehouse Rum No.8 Long Pond 2000 Cask #23, Jamaika, 14y, 46% – Meine Nase nimmt kaum Alkohol war, dafür aber leichten Ester, frische Äpfel, Bananen und weitere nicht klar zuordenbare Früchte. Nach ca. 1 Stunde Standzeit kommen Raucharomen zum Vorschein, die bei den anderen Abfüllungen nicht zu finden sind. Am Gaumen sind die Äpfel und Bananen aus der Nase klar zu erkennen. Aus den weiteren Früchten der Nase geht mindestens noch Ananas am Gaumen auf. Die Früchte gehen in pflanzliche Aromen, Medizin und Anis in den Abgang über, der sich trocken und mittellang bis kurz gestaltet. Im Abgang finde ich die Früchte aus der Nase/Gaumen kaum wieder. Ein guter Rum, aber leider nur ein halb so guter Jamaikaner. Marco von BAM fand diese Trinkstärke-Variante besser als die Fassstärke-Variante, was für mich nachvollziehbar ist aber nicht ganz meinen Geschmack teilt. Mehr dazu beim nächsten Rum. 80 Punkte.

Rum Dealers Selection Long Pond 2000 Cask #23, Jamaika, 14y, 63,8% – In der Nase erkennt man direkt, dass der Alkoholgehalt höher sein muss als beim The Warehouse Rum (TWR) – aber dass es gleich knapp 18% sind, läßt sich hier noch nicht erahnen. Ansonsten nehme ich noch Klebstoff, Vanille und Toffee wahr, was beim TWR nicht zu erkennen war. Äpfel und Banane sind auch da, aber nicht so präsent wie bei der verdünnten Version. Bäääm! Da sind die knapp 18% am Gaumen, die man in der Nase noch nicht ganz so gewaltig ausmachen konnte. Die selben Früchte vom TWR sind auch hier beim RDS zu finden – allerdings nicht so intensitiv. Dafür aber umso stärker pflanzliche Aromen, Kräuter und Medizin, was auch im Abgang zu finden ist. Wieder mittellang bis kurz mit einem Hauch von Anis. Der Körper ist in dieser Version etwas mächtiger und die pflanzlichen Aromen und Kräuter sind im Vergleich zur Trinkstärke-Version präsenter. Dafür ist das Aromenpofil mit dem Obstkorb in der verdünnten Version etwas breiter. Eigentlich bin ich ein Fan von Früchten – in diesem Fall aber gefällt mir der Körper des RDS etwas besser als das breitere Aromenprofil vom TWR. Zudem kann ich problemlos aus der Fassstärke-Variante eine 46% Variante machen – umgekehrt ist es schwieriger ;-).  81 Punkte.

TheRumCask Long Pond 2000, Jamaika, 13y, 58,2% – Der Alkohol ist in der Nase um einiges präsenter als beim RDS – zum momentanen Zeitpunkt hätte ich drauf gewettet, dass der TRC einen höheren Alkoholgehalt aufweist. Die Klebstoff- und Ester-Aromen sind um einiges präsenter als beim TWR und RDS. Toffee und Vanille sind hier nicht zu finden, dafür aber Limetten. Der Gaumen bestätigt den Alkoholgehalt der Nase nicht – gut eingebundener Alkohol mit sehr präsenten Noten von Äpfel, Ananas und Bananen. Die pflanzlichen und medizinischen Aromen sind auch beim TRC zu finden, aber nicht ganz so gut greifbar wie beim RDS – dafür ist der TRC der fruchtigste von den Dreien. Durch das höhere Ester-Empfinden und den größeren Obstkorb gestaltet sich der Abgang auch etwas länger. Ein wuchtiger Körper mit gut eingebundem Alkohol und trotzdem ein breites Fruchtaromenprofil macht diesen Rum zu meinem Favorit in diesem Cross-Tasting. 83 Punkte.

Leider hat TRC meine Anfrage bzgl. Flaschenanzahl der Abfüllung, Fassnummer usw. nicht beantwortet. Mal schauen, wie es bei Anfragen bzgl. anderer Abfüllungen aussieht, die ich in Zukunft von TRC verkosten werde.

Duncan Taylor Long Pond 2000, Jamaika, 13y, 54,6% – Aus dieser Reihe ist bei diesem Rum am wenigsten Ester zu finden, dafür aber am meisten Vanille, Toffee und Säure. Leider aber eine Säure ohne erkennbare Fruchtaromen. Am Gaumen findet man dann süße Gewürze, Vanille, Toffee und auch ein paar Früchte. Der Körper ist flacher und das Aromenprofil deutlich kleiner als bei den anderen Kandidaten. Dieser Rum erinnert mich eher an Rums aus dem Uitvlugt ’98 Batch, als an einen Jamaikaner. Der Abgang ist mittellang bis kurz, leicht säuerlich und mineralisch mit Noten von Vanille und Toffee. Lediglich feine Anis Aromen aus dem Abgang deuten auf eine Rum aus Long Pond hin. Kein schlechter Rum, aber der schlechteste aus dieser Reihe. 76 Punkte.

Kein Überflieger bei diesem Cross-Tasting dabei, aber ganz klar ein Batch mit Potential. Auch sind leider zwei der vier Abfüllungen nicht mehr erhältlich. Ich habe auch bereits schon weitere Rums aus diesem Batch probieren dürfen, bisher aber noch nicht im direkten Vergleich. Das wird aber noch nachgeholt und mit Sicherheit werde ich dann darüber berichten!