St. Lucia – Rising Underdog!

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Heute ein unbeschriebenes Blatt auf meinem Blog – was gar nicht so schwer ist ūüôā – St. Lucia! Nachfolgend eine kurze √úbersicht, √ľber die Brennapparaturen und deren Inbetriebnahme:

– The Continuous (Coffey) Still (commissioned 1985)
– The John Dore Pot Still (commissioned 1998)
– The Vendome Pot Still (commissioned 2003)
– The John Dore 6000 Liter Pot Still (commissioned 2004)
Quelle: saintluciarums.com

St Lucia Distillers Ltd. importiert seine Melasse zum gr√∂√üten Teil aus dem Ausland – Guyana ist hierbei der Hauptlieferant. Und die oben gelisteten Stills sind insofern interessant, da die nachfolgenden Rums aus 1999, 2002 und wahrscheinlich 2005 sind. Somit wird auch direkt klar, aus welcher Pot Still die Jahrg√§nge 99 und 02 sein m√ľssen, auch wenn es nicht explizit angegeben ist. Bei der The Secret Treasures Abf√ľllung aus 2005? wird leider nur angegeben, dass sie aus einer John Dore entstammt, aber leider nicht aus welcher. Ich habe bei Haromex angefragt, aus welcher der beiden dieser Rum kommt, wieviele Flaschen es gab und wann er destilliert wurde. Sobald bzw. falls ich eine Antwort erhalte, werde ich die Informationen hier erg√§nzen. Vielleicht kann aber das Crosstasting eine Tendenz liefern, aus welcher John Dore, die TST Abf√ľllung stammen k√∂nnte.

Bevor es mit der Verkostung losgeht, noch ein herzliches Danke an Malte, Marcus und Cornelius f√ľr die Samples!

Renegade Saint Lucia 1999, St. Lucia, 10y, 46% – In der Nase geht direkt eine angenehme S√ľ√üe in Form von Akazienhonig und Kr√§utern auf. Ich meine den Geruch von dem Kraut M√§des√ľ√ü warnehmen zu k√∂nnen. Leder, Tabak, frisches Zuckerrohr sind auch noch pr√§sent. Sekund√§r sind noch Fruchtaromen wahrnehmbar. Im ersten Moment hat mich die Nase an die ’98 Bellevue Abf√ľllungen erinnert. Gef√§llt mir schon mal ziemlich gut. Am Gaumen ist von der S√ľ√üe aus der Nase nicht mehr viel da. Er ist sehr trocken, grasig und k√∂nnte bei mir „blind“ als franz√∂sisch-britischer Blend durchgehen – Agricole Aromen sind zu erkennen. Im Abgang findet man fast alle Eindr√ľcke aus der Nase wieder – bis auf die S√ľ√üe – mittellang und sehr trocken. Die Nase war sehr vielversprechend, der Rest hat aber leider etwas nachgelassen. Nichtsdestotrotz ein ordentlicher Rum. 79 Punkte.

Blackadder Raw Cask St. Lucia 1999, St. Lucia, 12y, 68,2% – Die Nase best√§tigt direkt, dass der Blackadder und der Renegade sehr √§hnliche Rums sind. Auch hier finde ich Akazienhonig, Kr√§uter, Leder, Tabak und frisches Zuckerrohr und auch die Bellevue ’98 √Ąhnlichkeit wieder. Zus√§tzlich ist auch Klebstoff und Toffee zu finden. Der hohe Alkoholanteil von fast 70% ist in der Nase nicht so pr√§sent wie erwartet. Auch am Gaumen sind sie sich im Aromenprofil sehr √§hnlich, bis auf die h√∂here Intensit√§t, Reife und S√ľ√üe. Der Gaumen gef√§llt mir um einiges besser als vom Renegade – vor allem wegen dem gut eingebundenen Alkohol und der Reife, die h√∂her ist als man es bei einem 12 j√§hrigen Rum erwartet. Der Abgang ist auch etwas l√§nger als beim Renegade und gepr√§gt durch Leder, Holz, Zuckerrohr und Kr√§utern. Ein wirklich toller Rum! 87 Punkte

Compagnie des Indes St. Lucia 2002, St. Lucia, 13y, 43% – Eine √Ąhnlichkeit in der Nase zu den zwei vorhergehenden Abf√ľllungen ist nicht abzustreiten. Der CDI liegt von den beiden Abf√ľllungen aber weiter weg, als die beiden ’99iger Abf√ľllungen selbst voneinander – was aber auch zu erwarten war (1999 <=> 2002). Weniger Leder, Tabak und Frucht, daf√ľr um einiges mehr Klebstoff und noch immer gr√ľ√üt Bellevue ’98. Am Gaumen sind auch Kr√§uter, frisches Zuckerrohr und Honig zu finden. Was aber im Vergleich am meisten raussticht ist Salz. Ja, der Rum schmeckt etwas salzig und es ist leider auch keine Frucht zu finden. Der Abgang ist mittellang bis kurz und es findet sich auch hier das Zuckerrohr, Kr√§uter und Eiche wieder. Definitiv der schw√§chste Kandidat in dieser Reihe. Sind die Schw√§chen auf die starke Verd√ľnnung zur√ľckzuf√ľhren? Ich kann es nicht genau sagen, aber es spielt mit Sicherheit auch eine Rolle. 76 Punkte

Duncan Taylor St. Lucia, St. Lucia 2002, 10y, 52,6% – Der Nase nach ganz klar ein 2002, da er dem CDI um einiges n√§her ist, als den beiden anderen Abf√ľllungen. Auch hier ist der Klebstoff pr√§senter als bei den ’99igern, der Honig aber dominanter als beim CDI. Eine sch√∂ne Nase! Der Mundraum wird mit einer kraftvollen Honig-S√ľ√üe geflutet – absolut kein Salz zu finden, daf√ľr aber die √Ąhnlichkeit zum franz√∂sischen Stil. Kr√§uter, Zuckerrohr und Gras sind hier ebenso zu finden. Der Abgang ist mittellang, kr√§uterig und etwas bitter. 81 Punkte.

The Secret Treasures Selection Priv√®e John Dore, St. Lucia, 9y, 53% – Wow! Bananen, Ananas, Cr√®me br√Ľl√©e, ganz viele verschiedene Kr√§uter und eine Menge an Klebstoff sind in der Nase wahrzunehmen. Statt der Verwandtschaft zu den Bellevues ist eher eine Verwandtschaft zu Jamaika zu erkennen. Dieser Rum setzt sich von den beiden anderen Jahrg√§ngen ab. Kein Zuckerrohr und kaum Honig wahrzunehmen. Nach ca. einer Stunde Standzeit lassen sich ein paar Gemeinsamkeiten zum ’99 Batch feststellen. Am Gaumen dann ganz viel Kr√§uter, Anis und ganz leicht die Bananen-Ananas Kombination aus der Nase. Am Gaumen wirkt dieser Rum um einiges reifer als seine 9 Jahre. Blind h√§tte ich ihn wahrscheinlich als den √§ltesten Kandidaten in dieser Runde, oder auf Augenh√∂he mit dem Blackadder, eingestuft. Zudem kommt am Gaumen zur Jamaika-Assoziation von der Nase, ein kleiner Rockley-Schimmer dazu. Der trockene Abgang zeigt nochmal die ganze Vielfalt aus Nase und Gaumen: Kr√§uter, Fr√ľchte, Klebstoff, Anis und sogar etwas Medizin sind hier zu finden. Auch hier wieder ein wirklich toller Rum. 88 Punkte.

Zusammenfassend w√ľrde ich sagen, dass ich den ’99 Batch dem ’02 Batch vorziehen w√ľrde, das aber nicht pauschalisieren will, wie man am Vergleich Duncan Taylor und Renegade sehen kann. Nichtsdestotrotz gef√§llt mir bei diesen vier Abf√ľllungen der ’99 Batch besser als der ’02 Batch. Auf weiter Flur steht allerdings die TST JD Abf√ľllung ganz alleine da. Zum einen, weil sie die einzige mir bekannte Abf√ľllung aus ihrem Batch ist und zum anderen, da sie sich geschmacklich von den beiden anderen Batches abhebt. Es lassen sich lediglich √Ąhnlichkeiten zum ’99 Batch in der Nase feststellen und das auch nur nach einer l√§ngeren Standzeit. M√ľsste ich einen Tipp abgeben, aus welcher John Dore dieser Batch stammt, w√ľrde mein Tipp auf die Gro√üe gehen, die 2004 in Betrieb genommen wurde. Ich bin aber guter Dinge, dass noch mehr Abf√ľllungen aus diesem Batch auf den Markt kommen werden und dass wir sp√§testens dann Klarheit, √ľber die Ursprungs-John Dore und das Destillationsjahr, erhalten werden.