Jamaika Hampden 2000 und die Hampden Marks

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Im heutigen Cross-Tasting Review widmen wir uns dem Hampden Batch aus 2000 (und 2002). Mittlerweile ist auch hinreichend bekannt, dass dieser Batch unter dem Hampden Mark „LROK“ steht und ein Estergehalt zwischen 200 und 400 gr/laa Ester aufweist. In einem Review von Flo auf BAT findet man auch die von Hampden definierten Marks:

Mark gr/laa Ester
LFCH 85-120
LROK 200-400
HLCF 500-700
<>H 900-1000
HGML 1000 – 1100
C<>H 1300-1400
DOK 1500-1600

.
Die Definition der Marks fand man bis vor Kurzem noch auf der offiziellen Hampden Website, wurden aber nun entfernt. Was hier auch ziemlich schnell deutlich wird: wir sind estertechnisch mit dem 2000 Batch fast am unteren Ende der Hampden-Skala.

Da dies aber hampdenspezische Marks sind, will ich euch nicht vorenthalten, dass es eine allgemeine Kategorisierung von Jamaikarum gibt, welche bei Marco auf BAM in einem Jamaika-Artikel zu finden ist und auf J.R. McFarlane zurück geht. Das älteste Dokument, in dem diese Kategorien beschrieben sind, welches ich gefunden habe, ist das International Sugar Journal von 1947:

Kategorie parts per
100.000 alcohol
Common Clean 80 — 150
Plummer 150 — 200
Wedderburn 200 — 300
Flavoured 700 — 1.600

.
Nun noch schnell eine Grafik, die die Hampden-Marks und die Jamaikarum Kategorien und deren Überlappungen visualisiert, und dann geht es auch schon los mit der Verkostung der vier Kandidaten:

Ein Dank noch an Maik für die kleine Chemie Nachhilfe und die Erklärung der Einheiten und natürlich an die treuen Sample-Dealer Malte und Mark!

 

Pellegrini PPC Mabaruma Hampden 2000, Jamaika, 14y, 46% – Mein Geruchssinn nimmt ganz klar ein Hampden war, aber ein Hampden mit angezogener Handbremse, was höchstwahrscheinlich auf die niedrigen Prozente und den 2000 LROK Batch zurückzuführen ist. Auch verhältnismäßig wenig Ester ist zu finden – dafür aber die typischen Fruchtaromen: Ananas, Bananen und im Hintergrund Papayas. Am Gaumen dann die Früchte aus der Nase, etwas Toffee, Kirsch, Nuss und weit weg vom Glas: Kräuter, Medizin und Anis – das Aromenspektrum ist sehr breit, der Körper und die Intensität aber leider eher schwach. Zum Schluss verstärkt sich die Kräuter, Medizin und Anis Kombination in einen hampdentypischen Abgang. Der Abgang gestaltet sich im Vergleich zu Nicht-Jamaikanern lange, im Hampdenvergleich kommt er aber eher kurz daher. Die Verdünnung auf 46% ist nicht ganz so schlimm, wie ich zuerst vermutet habe und vom Batch aus 1998 kenne. Dem Batch aus 1998 tut meinem Empfinden nach Wasser überhaupt nicht gut, beim Batch aus 2000 ist es nicht ganz so schlimm. Nichtsdestotrotz wäre dieser Rum einen Ticken besser gewesen, wäre er in Fassstärke abgefüllt worden. 79 Punkte.

Duncan Taylor Hampden 2000, Jamaika, 13y, 53,3% – Definitiv eine höhere Esterkonzentration in der Nase wahrzunehmen als beim Pellegrini und vom Profil her auch sehr breit und fruchtig aufgestellt. Würde man einen Vergleich mit einem HLCF Jahrgang anstellen, wäre hier aber auch zu merken, dass estertechnisch die Handbremse angezogen ist. Am Gaumen dann nicht mehr so fruchtig, obschon zu Beginn eine kurze fruchtige Süße erkennbar ist. Die Süße wandelt sich in eine angenehme leichte Säure und wird hintenraus zunehmend von von Kräutern und Anis dominiert. Ein mittellanger Hampden-Abgang fahren diesen Rum gerade noch so in meine 80-Range. 80 Punkte.

TheRumCask Hampden 2000, Jamaika, 12y, 62% – Keine Frage, auch ein Jamaikaner und auch immernoch Frucht zu erkennen, aber um einiges weniger als bei den zwei Rums davor. Dafür nimmt meine Nase die Kräuter, die bei den anderen Rums im Hintergrund waren, hier viel  präsenter war. Klebstoff, Leder und Eiche sind hier zudem auch zu finden. Am Gaumen ist der Ester auch nicht so präsent. Kräuter, Medizin und Anis dominieren hier im Wechsel mit süßen und sauren Früchten im Hintergrund. Dieser Rum hat etwas mehr Tiefgang und die 62% Alkohol sind sehr gut eingeunden – gefällt mir somit ein Stück besser als die anderen. Ein langer Abgang mit noch etwas scharfen, ungestümten Anis – was wahrscheinlich auf das junge Alter zurückzuführen ist – runden, oder vielmehr „kanten“ diesen guten Rum ab. 82 Punkte.

Cadenhead’s Hampden 2002, Jamaika, 12y, 61,6% – Huch, der Cadenheads ballert ein klein wenig mehr in die Nase – der Alkohol ist etwas presenter. Auch Klebstoffaromen sind mehr im Vordergrund. Der Rest ist auch ziemlich LROK hampdentypisch. Am Gaumen ist er im Vergleich zum TRC nicht so kräuterlastig, dafür sind aber die Früchte – vorallem die Ananas – dominanter, was mir persönlich mehr zusagt. Der Alkohol ist aber um einiges prominenter als beim TRC und ist im Vergleich zum TRC sogar ein wenig störend. Auch hier zu finden: ein ungestümter langer kantiger Abgang. 81 Punkte.

Wie oben bereits erwähnt, sind wir aus Hampden-Sicht fast am unteren Ende der Esterdichte, was in der Verkostung auch deutlich zu spüren war. Nicht falsch verstehen: es sind im Vergleich zu anderen Rums aus anderen Ländern trotzdem sehr esterreiche Rums, im Vergleich zu anderen Hampden Marks sind sie aber sehr gezügelt. Daher lädt der LROK Stil dazu ein, Hampden Neulingen als erstes präsentiert zu werden. Mir persönlich sagen aber die konzentrierteren Rums aus Hampden, wie z.B. der HLCF Batch aus 98, mehr zu.