Drei Blinde von Marius

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Marius von Single Cask Rum hat mir im Blind Sample Swap drei Blinde zukommen lassen, die ich euch heute vorstellen möchte. Damit unser Rum-Umfeld auch live daran teilnehmen kann, haben wir hierfür einen Thread im Rum Club Forum gestartet. Ein Review zu den Rums, die ich Marius geschickt habe könnt ihr hier finden. An dieser Stelle nochmal ein Dank an Marius für die tolle Tausch-Idee und die drei Samples 🙂

Berrys Own Finest St. Lucia 1999, St. Lucia, 11y, 46% (Blind-Sample 1) – Ich rieche Honig, verschiedene Kräuter, frisches Zuckerrohr und Eiche. Schwer und aromatisch – ein Brite mit leichter französischer Verwandtschaft und Ähnlichkeit zu den Bellevues aus 1998. Im Hintergrund sind auch rote Früchte zu erkennen – allen voran Kirscharomen. Alkohol ist in der Nase merklich wahrzunehmen – das wird hoffentlich noch interessant! Am Gaumen dann direkt die Ernüchterung: leider nur Trinkstärke, wahrscheinlich 46% oder etwas darüber. Leichte Süße (Honig) gepaart mit einer pfeffrigen Note und den roten Früchten aus der Nase gehen in einen mittellangen Abgang von Leder, Zuckerrohr und Kräutern über. Leider nur ein guter Rum. „Leider“, da dieser Rum ein großartiger Rum hätte sein können, wenn man ihn nicht auf Trinkstärkte hätte verdünnt. Verlust von Körper und Intensität sind merkbar, wenn man andere Abfüllungen in Fassstärke aus diesem Jahrgang kennt – schade. Dieser Rum sollte 1999 in der kleinen John Dore Pot Still auf St. Lucia gebrannt worden sein und durfte wahrscheinlich 10-14 Jahre reifen. 80 Punkte.

 

Habitation Velier Foursquare 2013, Barbados, 2y, 64% (Blind-Sample 2) – Frisch einschenkt ist erstmal nur Alkohol – brachialer Alkohol ohne viele Aromen – in der Nase wahrzunehmen. Mit etwas Zeit kommt dann Vanille und Karamell und mit noch mehr Zeit etwas Klebstoff und Eiche dazu. Man merkt hier schon direkt, dass das kein Rum in Trinkstärke ist. Am Gaumen dann die knallharte Ernüchterung: ein soooo junger Rum, dass er für den Purgenuß nur schwer taugt. Dieser Rum ist maximal 3-4 Jahre alt. Eine leichte zitronige Süße (Zitronenglasur), welche ganz schnell von herben Kräutern abgelöst wird – alles aber unter dem Deckmantel des Alkohols, der über 60% liegen dürfte. Ich bin leider kein großer Foursquare Fan und wahrscheinlich würden mich für dieses Review einige Rumfreunde und Connaisseur zum Deckschrubben verdonnern, aber mit diesem potentiellen Foursquare kann ich leider nicht viel anfangen. Ich hoffe, dass ich mit dem Restsample einen guten Cocktail gebaut bekomme ;-). 66 Punkte.

 

Moon Import Fiji (2001-2015), Fiji, 14y, 45% (Blind-Sample 3) – Meine Nase nimmt tropische Früchte, Zitrusaromen, Aprikosen, Pflaumen, schwarzer Tee und leichte Esteraromen wahr. Eine durchaus komplexe Nase, die hier schon definitiv auf einen britischen Kandidaten in Trinkstärke hindeutet. Die Nase macht einen vielversprechenden Eindruck. Nach längerer Standzeit kommt Eiche, etwas Vanille, Klebstoff und leicht verbrannter/karamellisierter Zucker hinzu. Vom Gaumen bis zum Abgang wandelt sich der Rum komplett. Beginnend mit einer leichten Süße von tropischen Früchten und Honig, übergehend in eine schwachen aber angenehmen säuerlichen und zitronigen Geschmack bis zu einem Abgang geprägt durch Pfirsich, schwarzer Tee und herben kräftigen Kräutern. Die Kräuter bleiben auch noch lange am Gaumen erhalten und sind trotz mehrmaligem Schluck noch im Mundraum wahrnehmbar. Ein guter Rum, der wahrscheinlich durch die Verdünnung Zuwachs an Profil erhalten hat, vermutlich aber kaum an Körper und Intensität einbüßen musste. Der beste Kandidat in dieser Runde. Da ich vermutlich noch nicht soviele Rums aus dieser Destille kenne, ist der geschätzte „Alterskorridor“ bei dieser Abfüllung mit 10-15 Jahren etwas größer. Die Trinkstärke dürfte bei 45-47% liegen. Die Gretchenfrage nach der Herkunft hat diesmal bei mir 3 Verkostungssessions gedauert, da ich mir nicht ganz schlüssig war – wahrscheinlich auch, da ich einfach noch nicht allzuviele Abfüllungen aus dieser Destillerie oder diesem Jahrgang kenne. In der ersten Verkostungssession hatte ich eine starke Tendenz zu Jamaika / Monymusk, die nächsten beiden Verkostungssessions haben mich dann aber schlussendlich nach Fiji in das Jahr 2001 gebracht. So oder so, dieser Rum hat es verdient, dass man sich mit ihm beschäftigt und ihn genießt. 84 Punkte.