Blindverkostung: der 11. Rumexperte des Rum-Club Forums

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Der Rumexperte steht wieder an! Der Rumexperte ist eine im Rum-Club Forum ausgetragene Blindverkostung von Thomas aka airprib, bei der jeder Teilnehmer 5 Blind-Samples zugesendet bekommt und bis zu einem definierten Stichtag seine Tipps zu den Blind-Samples abgeben muss. Für diese Tipps gibt es Punkte und derjenige mit den meisten Punkten darf sich dann Rumexperte nennen. Das Ganze wird immer am Folgetag durch airprib im entsprechenden Thread im Forum, nach und nach über den gesamten Tag, aufgelöst. Den Thread zur Anmeldung & Auflösung findet ihr hier: RUMexperte der nächste Durchgang

Edit: unser Blog-Kollege Marius hat seine Eindrücke zu den Rums hier festgehalten: SCR – Rumexpert Blind-Tasting #11

An dieser Stelle nocheinmal ein herzliches Danke an airprib für das Organisieren, Kümmern und das Austragen des Rumexperten – es hat wie immer viel Spaß gemacht! Nun lasst uns aber mal über Maiks, Erics und meine Notes und Tipps drüberschauen:

Duncan Taylor Bellevue, Guadeloupe, 17yo, 52,2% (Blind-Sample 1)

Eric: In der Nase anfangs etwas sprittig. Ich nehme Zitrus, Leder, Toffee und Kräuter wahr. Könnte ein Guyana sein. Später kommen leicht medizinische und grasige Noten hinzu. Am Gaumen brennt der Alkohol  zuerst ein wenig. Die Aromen aus der Nase finden sich ebenfalls wieder. Nicht sehr süss, definitiv nicht nachgezuckert. Die Süße ist gepaart mit einer angenehmer Würze. Ich habe mich leider auf einen Compagnie des Indes Guyana 12 Jahre, 45% festgelegt. 80 Punkte.

Maik: In der Nase süße, rote Beeren und etwas Drachenfrucht. Am Gaumen guadeloupe-typische floral-herbale Noten und eine herbe Schokoladen-Nuance. Im Abgang setzt sich die Schokolade, Tabak und roter Pfeffer fest. Dazu gesellt sich eine Wein-Note und ordentlich Lakritze. Der Alkohol ist nicht ganz optimal eingebunden und im gefühlten mittleren 50er Bereich. Für mich klar ein 98er Guadeloupe, der nicht unbedingt heraussticht, aber doch interessante Aspekte hat. 83 Punkte

Thomas: Gibt es Brandys, die aus Rosinen destilliert werden? Ungefähr so stelle ich mir den Geruch vor. Ich rieche hier einen Korb voll Rosinen. Dazu kommen Teer, Leder, Tabak, frisches Zuckerrohr und Bitterschokolade – alles sehr herb, kräuterig und auch etwas dreckig. Der Gaumen ist ebenso kräuterig und herb, mit Eiche, vielen Gewürzen und hat eine leichte Schärfe – aber keine alkoholische Schärfe, sondern eher eine Schärfe, wie man sie von Pfeffer kennt. Der Abgang ist mittellang, trocken, würzig und leicht bitter. Das dürfte ein Bellevue Rum aus Guadeloupe von 1998 sein, mit vermutlich 51-53%. Ein Rum der mir ganz gut gefällt, aber leider – falls es ein Bellevue sein sollte – nur ein durchschnittlicher 98 Bellevue ist. 80 Punkte.

Duncan Taylor Guatemala 2007, Guatemala, 8yo, 52,4% (Blind-Sample 2)

Eric: In der Nase Kräuter, Leder, Anis, Kirsche, ebenso am Gaumen aber noch zusätzlich leicht salziges Karamell. Am Gaumen definitiv süsser, als es die Nase vermuten lässt. Der Abgang ist mittellang, gepaart mit süßlich-herben Holz- und Kräuternoten. Ich lasse mich wieder auf Guyana ein und tippe auf den Kill Devil Guyana Uitvlugt 17 Jahre mit 46%.  82 Punkte.

Maik: In der Nase süßliche Mandel, Birne und dunkle beliz-ige Beeren. Im Mund ist der Alkohol sehr präsent. Dazu etwas Pflaumenschale und Bitterschokolade. Der Abgang ist leider nicht sehr aussagekräftig und eher langweilig. Der Alkohol ist nicht gut eingebunden und ich würde auf ca. 50-52% tippen. Hierbei könnte es sich um einen wenig gesüßten Plantation Rum mit irrwitzigem Finish aus irgendeinem Land handeln oder einem WIRD aus 1999, der mir auch sehr spanisch vorkam. Insgesamt ist mir der Rum zu süß und eindimensional spanisch ohne besonderes Merkmal. 75 Punkte

Thomas: Klar eine spanische Nase – aber eine von den komplexeren: dunkel gerösteter Kaffee und Mandeln, Schokolade, karamellisierter oder fast schon verbrannter Zucker. An Früchten sind getrocknete Dadeln und Aprikosen zu finden – fängt schonmal gut an. Am Gaumen ist ein mittelschwerer Körper auszumachen geprägt durch starken – vielleicht ein wenig zu starken – Fasseinfluss. Zu Beginn eine leichte Süße, Tabak und einige der Aromen aus der Nase. Der Abgang hat ein kleines Manko, da er mir leider ein wenig zu kurz kommt, dafür aber angenehm trocken und leicht bitter. Ich vermute hier einen mittelalten (10-13 Jahre) Mittelamerikaner mit 52-54%, mit ganz ganz starker Tendenz zu Belize. Guatemala wäre hier aber auch Möglichkeit oder einen etwas älterer Panamanesen mit >18 Jahre. Aufjeden Fall ein toller spanischer Rum, der mir ziemlich gut gefallen hat. Falls es ein Rum aus Belize sein sollte, bin ich schon sehr gespannt wie sich diese Rums in Zukunft entwickeln. 81 Punkte.

Habitation Velier Hampden 2010 HLCF, Jamaika, 6yo, 68,5% (Blind-Sample 3)

Eric: Sofort stechen die Hampden-typischen Esternoten in die Nase, herb, leicht sprittig, Zitrus, gepaart mit etwas Pfeffer und Orange. Am Gaumen zuerst sprittig, dann kommen die gebrannten Mandeln, Ester, Leder und Marzipan. Nicht ganz Fassstärke. Mittellanger Abgang mit Noten von Kirsche und gebrannten Mandeln. Erinnert mich ein wenig an den Duncan Taylor Hampden 13 Jahre 2000-2013. Ich tippe auf einen TRC Jamaica Hampden 2000-2016, 16 Jahre, 52,5% und gebe ihm  87 Punkte.

Maik: Schöne, dreckige Hampden-Ester in netter Konzentration in der Nase und eine Menge Klebstoff. Im Mund stark adstringierend und mit einer heftigen Ananas-Faust! Der Alkohol ist relativ gut eingebunden und der Abgang ist lang. Die % würde ich auf knapp über 60% tippen. Irgendwie kommt mir der Rum aber minimal gesüßt vor!? Der Rum hat eine ausgeprägte Reife und wirkt insgesamt harmonisch und doch dreckig (evtl. einen Tick zu rund!). Mit Hampden bin ich mir schon sehr sicher und würde auf einen 98er tippen, aber wer weiß!? Auf jeden Fall: Sehr lecker! 90 Punkte.

Thomas: Hampden Time! Allerdings findet meine Nase hier im Gegensatz zu anderen Hampdens ganz viel Orange. Desweiteren auch viel Ester, so dass man direkt den 2000 Jahrgang bzw. LROK ausschließen kann – Fassstärke ist hier auch schon sicher. Saurer Apfel, Ananas, überreife Banane, etwas Gras und spritzige Zitrusfrüchte. Die Zitrusfrüchte und das Gras kenne ich tendenziell eher von jüngere Hampdens. Ich bin schon gespannt was der Gaumen zu bieten hat: ganz viel saurer Ester am Gaumen mit einem vollen Nachschlag an Alkohol – monströser, ungestümer Alkohol – ein Ticken zu hart für mich. Nach dem ersten Schluck ist mir klar, welche Abfüllung es ist, dazu aber gleich mehr. Der Apfel und die Ananas aus der Nase sind auch am Gaumen wieder zu finden, zudem kommt Klebstoff dazu, den ich merkwürdigerweise in der Nase nicht gehabt habe. Im Abgang ist dieser Hampden um einiges schärfer als andere Hampdens, die ich kenne. Dies liegt aber höchstwahrscheinlich am jungen Alter. Der Abgang passt aber trotzdem zur Nase und zum Gaumen, man findet hier aber noch zusätzlich einige Kräuter und Anis. Höchstwahrscheinlich ist dieser Rum der HV Velier 6yo HLCF mit 68,5% – ein leckerer Rum, mit einem einzigen Kritikpunkt: die Alkoholschärfe. Ich hatte erst vor ein paar Tagen den HV Hampden 6yo 68,5% im Crosstasting mit einem anderen Hampden, der sehr ähnlich Eckdaten hatte – bis auf die tropische Reifung. Sogar der Alkoholgehalt war fast identisch. In diesem Vergleich ist aber aufgefallen, dass der Alkohol vom HV Hampden nicht ganz so gut eingebunden ist, wie beim Crosstasting-Partner. Nichtsdestotrotz ein toller Rum. 86 Punkte.

Rum Nation Hampden 1992, Jamaika, 24yo, 61,9% (Blind-Sample 4)

Eric: Hui, wieder diese Ester, wieder Jamaica. An der Nase finde ich Ester, Banane, Tabak, Leder und Heu. Am Gaumen erkenne ich die Aromen der Nase, sowie Kräuter und leicht geröstete Mandeln. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Der Abgang ist trocken, herb, nussig und relativ lang anhaltend. Zuerst dachte ich erneut an einen Hampden, lege mich dann aber auf einen Worthy Park fest und zwar den Habitation Velier Forsyths WPM 2006-2017, 11 Jahre, 58%91 Punkte.

Maik: Hier zeigen auch wieder Ester in der Nase, aber deutlich dezenter und wenig vergoren. Eher exotischer Fruchtkorb als heftige Ananas. Diese kommt im Mund zwar etwas dazu, aber verhält sich nur minimal adstringierend. Dazu kommt noch gelee-bestrichenes Holz, frische Minze und eine leckere Würzigkeit. Der Alkohol ist minimal störend (54-58% getippt). Ich würde mir einbilden, dass der Rum ein Brandy Finish o.Ä. bekommen hat. Der Abgang ist sehr schokoladig und harmonisch. Ohne die Ester hat der Rum für mich einen deutlichen Guyana-Charakter. So aber tippe ich Richtung Long Pond! Eine leckere Abfüllung, die aber das Spitzenfeld verpasst. 87 Punkte.

Thomas: Noch ein Hampden? Hab ich vielleicht zum falschen Sample gegriffen? Der Blick aufs Label bestätigt mich aber, dass ich nicht zu Sample 3 gegriffen habe. Nochmal die Nase ins Glas: ja, das ist ein anderer Rum, aber dennoch ein Hampden. Nicht so brachial wie Sample 3, um einiges eleganter – reifer. Trotzdem ist geballter Ester warzunehmen, dazu die typische Ananas, Banane, Klebstoff, Medizin und Kräuter. Das sollte auch kein LROK sein! Am Gaumen zu Beginn eine angenehme Süße, die in Ester übergeht und in einer Säuerlichkeit aus tropischen Früchten und grünen Äpfel endet – sehr lecker! Auch der Abgang passt perfekt ins Gesamtbild: lange, sehr kräuterig/würzig, Leder, Eiche und Anis. Ein geiles Geschoss und für mich mit Abstand der beste Rum in dieser Verkostung. Wie bereits erwähnt, würde ich das Mark LROK wegen dem höheren Estergehalt ausschließend. Den 1998 Batch würde ich auch ausschließen, da dieser Rum eleganter und reifer ist, als die 1998 Abfüllungen, die ich kenne. Er dürfte bei ungefähr 60% liegen und nach dem Ausschlussprinzip bleibt nicht mehr allzuviel übrig… Daher vermute ich hier den Rum Nation Hampden 24yo mit 61,6%. 91 Punkte.

TheRumCask Epris 1999, Brasilien, 17yo, 46,9% (Blind-Sample 5)

Eric: Die Nase ist sehr schwach ausgeprägt und weist Noten von Weisswein, Trauben oder Trester, sowie leichte Bleistiftspäne und einen Hauch von Lavendel auf. Leider bestätigt sich die lasche Nase am Gaumen. Der Rum ist leicht süss, alkoholisch, holzig-bitter. Etwas Toffee lässt sich ebenfalls herausschmecken. Der Abgang ist sehr kurz mit leichter holziger Bitterkeit. Mag ich nicht wirklich. Die Einordnung fällt mir etwas schwer, irgendwas von den Seychellen oder doch von den Galapagos Inseln? Da fällt mir der Brasilianer ein, von dem ich noch ein Sample im Schrank stehen habe. Nach einem kurzen Crosstasting mit dem Rest des Fläschchens (Danke Thomas, es kam von Dir :-D) lege ich mich auf den The Rum Cask Brasil Single Cask Rum 1999 der Epris Destillerie ,17 Jahre, 46,9% fest.   65 Punkte.

Maik: Tabak, Leder und reifer, süßer Apfel in der Nase. Im Mund grasige Noten und viel Minze. Dazu gesellt sich Nelke, grasige Noten und wieder Tabak & Leder. Den Alkoholgehalt tippe ich auf ca. 45-47%, welche sich angenehm an den Gaumen schmiegen. Der Abgang ist nicht überraschend, aber ebenfalls angenehm. Für mich ein Agricole ohne pfeffrige Note, der nicht überaus komplex, aber auch nicht langweilig ist. Die Herkunft tippe ich nach Ile de la Reunion und den Rhum auf einen Agricole von Savanna. 82 Punkte.

Thomas: Meine Nase nimmt frisches Zuckerrohr, etwas Klebstoff, Alkohol und Getreide war. Am Gaumen dann Gras, Erde und vergorene Trauben. Der Abgang ist kräuterig und kurz, so kurz wie meine Notes, da mir dieses Exemplar leider nicht sonderlich gefällt. Ich würde hier auf einen jüngeren Agricole Rum tippen mit ungefähr 45%, da hören aber leider auch schon meine Erfahrungswerte auf. 67 Punkte.