First Sho(r)t – Habitation Velier Last Ward

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In unserer neuen Kategorie „Short Announcement“ oder kurz „Shot“, steht nur ein einzelner, ausgewählter Rum im Fokus. Diesen werden wir zu dritt verkosten und bewerten – wie immer kurz und knackig. Hier möchten wir euch gerne ganz aktuelle Abfüllungen vorstellen, die gerade erst auf den Markt gekommen sind sowie andere interessante Rums, die (noch) nicht in ein Blind- bzw. Cross-Tasting gepasst haben.

Für unseren ersten Shot, haben wir uns den Habitation Velier Last Ward 2007 ausgesucht, welcher volle 10 Jahre in den Tropen reichen durfte und schlussendlich mit 59% abgefüllt wurde. Leider ist nicht ersichtlich, ob es sich bei dieser Abfüllung um eine Fassstärke-Abfüllung handelt, oder ob er noch leicht verdünnt wurde. Auch bei dieser Abfüllung darf sich die Rum-Gemeinde über die Angabe des Engelanteils von >65% erfreuen. Und nun zum Tasting von uns:

Habitation Velier Last Ward 2007, Barbados, 59%

Eric: Die Farbe ist herrlich golden mit schönen Reflexen. Vereinzelte, mittelgrosse Tears bilden sich, die sich ganz langsam dazu überwinden, den Gesetzen der Schwerkraft zu folgen. An der Nase direkt nach dem Einschenken und einem kurzen Moment mit Aromaplättchen nehme ich Marzipan, Lebkuchen, Zedernholz und Blutorange wahr. Sehr schön ausgeprägte interessante Nase, gefällt mir sehr gut und macht Lust auf mehr. Nach einer ganzen Weile (fast einer Stunde) sticht der Alkohol etwas stärker heraus und ich entdecke zudem noch Noten von Tabak, braunem Kandiszucker, Gewürznelken und etwas Meersalz/Jod. Die Nase ist insgesamt sehr blumig und fruchtig-spritzig. Am Gaumen dann erst der „Schock“: Der Rum ist sehr sprittig, der Alkohol leider viel zu präsent und übertüncht die Aromen an Nüssen, Gewürzen, Tabak und Schokolade, die sich erst nach einer kleinen Weile einstellen. Schade, das gibt ein wenig Abzug. Im Abgang ist der Last Ward dann herb-holzig und nicht sehr intensiv. Ich persönlich habe den XO 50th Anniversary Cask der gleichen Destille vorgezogen, der spielte preislich allerdings auch in einer anderen Liga. Danke an Thomas, der mir 2cl von seinem Sample abgab, damit ich den Last Ward verkosten konnte. 83 Punkte.

Maik: Die Nase gestaltet sich sehr interressant mit Klebstoff, Honig und dunkel-roter Waldfrucht. Im Mund etwas Vanille und Karamell, dazu wieder Bourbon-Klebstoff, Menthol, Eisbonbon und leichte Esternoten. Am Gaumen ist der Rum in der Tat spannend, aber der Alkohol ist allerdings nicht 100%ig eingebunden, da merkt man dem Rum das geringe Alter doch recht deutlich an. Der Abgang ist erst frisch, dann würzig-lakritzig, insgesamt mittellang. Fazit: Ein leckerer Rum mit verschiedenen Facetten, dem man allerdings auch die 59% deutlich anmerkt. Den Rum sollte man mal im Glas gehabt haben, aber nicht direkt blind gekauft haben! 84 Punkte.

Thomas: Oha, eine volle Nase, wie man es von einem Pot Still Rum erwartet und die 59% sind in der Nase kaum merkbar. Zu Beginn nehme ich Vanille und Kandis war. Tiefer im Glas finde ich Klebstoff, Basilikum und eine Schale voller roter Beerenfrüchte. Eine sehr schöne Nase mit viel Körper! Am Gaumen ist gleich zu Beginn der Alkohol spürbar, da er viel wuchtiger ist, als man es von der Nase her erwarten würde. Er ist auch weniger süß, als alles andere was ich von Mount Gay kenne. Dafür aber würziger, schwerer und mundvüllender als Vergleichskandidaten von Mount Gay. Der Abgang ist trocken würzig mit etwas Holz. Hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich den Rum wohl noch ein paar weitere Jahre reifen lassen. Nichtsdestotrotz ein guter Rum, mit einer grandiosen Nase. 83 Punkte