Rhum Rhum PMG Libération 2017 Full Proof 58,4%

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Für das heutige Tasting habe ich mich entschieden, den Libération 2017 in der Full Proof Version mit 58,4 Vol% aus frischem Zuckerrohrsaft („Vesou“) zu verkosten. Von dieser Abfüllung gibt es noch eine auf 46 Vol% verdünnte Version. Die 2017er-Abfüllung ist nach 2010, 2012 und 2015 nun die vierte in der Reihe.

Der Libération wurde von Rhum Rhum bei Bielle auf der zu Guadeloupe gehörenden Insel Marie-Galante im Jahr 2010 auf Stills von Altmeister Gianni Capovilla gebrannt und für Velier in 2017 abgefüllt. Die Reifung erfolgte über die komplette Zeit in den Tropen.

Das Destillat wurde in einer dunklen „Velier“-Flasche abgefüllt, das Etikett des 2017er trägt einen Falken.

Leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit zur Verkostung der früheren Abfüllungen gehabt. Ich versuche, das nachzuholen.

Viel Spass

Eric

Trotz des noch jungen Alters hat der Rum bereits eine schöne Farbe wie Bernstein. Im Glas erscheint er dann relativ ölig und bildet vereinzelte, fette Tränen, die sich regelrecht am Glas festkrallen wollen und nur extrem langsam anfangen, am Glas herabzulaufen.

In der Nase finde ich dann zuerst Aromen vergleichbar mit Abfüllungen aus der Destillerie Bellevue, ich rieche ein Potpourri an Kräutern, Limette, Butterbrot, Eichenholz, Tintenkiller und ein wenig Tabak. Die Aromen sind ziemlich herb und kaum süss. In der Nase ein sehr interessantes Destillat, gefällt mir schon mal sehr gut und ich freue mich auf mehr.

Am Gaumen ist der Libération dann süsser als erwartet und ölig. Sehr schön. Aber dann kommen die 58,4 Vol% Alkohol voll durch und dominieren extrem. Der Alkohol ist m.E. leider nicht perfekt eingebunden, der Rum ist ein wenig „sprittig“. Zudem gesellen sich wieder diese Tintenkilleraromen dazu, die alles andere übertünchen und völlig in den Hintergrund drängen. Leider verliert der Rum dadurch an Komplexität. Schade, dass die Erwartungen nach den Eindrücken in der Nase nicht gehalten werden konnten.

Ich habe mich dann entschlossen, den Rum auf ca. 50 Vol% zu verdünnen. Die Nase verändert sich nicht wesentlich, am Gaumen wird er nun etwas sanfter und es kommen Aromen von Karamell, Toffee, Grapefruit, Nelke und Eiche zum Vorschein, die den Tintenkiller etwas verdrängen können. Gefällt mir definitiv etwas besser.

Im Finish ist der Libération 2017 dann relativ kurz, süss und mit einem Hauch von Orangenmarmelade, der Tintenkiller dominiert erneut im Nachklang und ein etwas taubes Gefühl verbleibt auf der Zunge.

Fazit: Ein durchaus interessantes Produkt, dass aber die Erwartungen meiner Meinung nach leider nicht ganz erfüllt, vor allem auch im Hinblick auf den Preis.

83/100 Punkte.