1423 World Class Spirits S.B.S Rums – Teil 1

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Unüblicherweise gibt es heute auf RUMBOOM zum ersten Mal ein Review einer Range eines Abfüllers. „Unüblicherweise“, da wir uns in der Regel Reviews widmen, in denen wir ähnliche Rums miteinander vergleichen, um hier Unterschiede oder Qualitätsmerkmale rauszuarbeiten. Was aber auch diesmal nicht bedeutet, dass wir das nicht getan haben, nur wird nicht auf die Vergleichskandidaten explizit eingegangen. Die acht Kandidaten werden wir auf zwei Beiträge aufteilen – die ersten vier gibt es direkt hier! Zur Verfügung gestellt wurden diese Rums direkt von dem dänischen Abfüller 1423 – vielen Dank dafür!

Unser Blog Kollege Marius hat selbige Samples zugesandt bekommen und war mit seinem Tasting um einiges schneller als wir 😉 Finden könnt ihr seine Reviews hier: Single Cask Rum presents 1423 World Class Spirits S.B.S Rums.

 

S.B.S Panama 2001, Panama, 15y, 55,6%

Eric: Im Glas relativ ölig, es bilden sich dicke Tears am Rand, die dann behäbig am Glas herablaufen. Die Nase ist typisch Spanisch, Karamell, Toffee. Leichte Einflüsse von Schwarztee und Bleistiftspäne lassen mich etwas an einen Rum aus Guyana denken. Dann kommen noch Zitrus, grüner Apfel und Dörrpflaumen zum Vorschein. Am Gaumen sehr ölig, der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Süsslich-herb mit Aromen von Zimt, Zitrus sowie einem leichten Hauch von Lakritze und Tabak. Nicht zu süss, sehr angenehm „trocken“, voll und reif am Gaumen. Das Finish ist schön süss, anschliessend wird es herber und ist relativ lang. Die Holzeinflüsse sind angenehm spürbar, ohne bitter zu werden. Ich mag Rums aus Panama sehr gerne und das ist meines Erachtens ein schöner Vertreter seiner Zunft mit etwas mehr Vol% als üblich, der mir sehr gut gefällt. 88 Punkte

Maik:In der Nase nehme ich Vanille, Karamell und Sahnigen Kakao wahr. Am Gaumen zeigen sich dann leichte Rauchnote, etwas Holz und wieder Vanille. Alkohol finde ich ganz gut eingebunden. Der Abgang ist mittellang, angenehm holzig. Hier fehlt mir leider etwas Rauch. Insgesamt ist der Rum nicht zu komplex, aber ein guter Sipper. 81 Punkte

Thomas: Eine leichte Nase trotz den 55,4% mit etwas Rauch, Karamel und Früchten in Form von Birnen und Trauben. Am Gaumen sind die typischen Panama Aromen Karamell und Vanille zu finden. Außerdem noch Zitrusfrüche, Eiche und eine sehr angenehme Süße. Diese Süße geht hervorragend einher mit dem Alkoholgehalt von rund 55%. Im Abgang ist dann nochmal die Eiche deutlich zu wahrzunehmen. Neben dem Our Rum & Spirits der beste Panamanese den ich kenne. Wobei ich hier auch sagen muss, dass mein Panama-Spektrum nicht allzu groß ist ;-). 80 Punkte

 

S.B.S Barbados 2000, WIRD, 16y, 54%

Eric: Sehr helles Gelb, typische Farbe für einen 2000er WIRD. Am Glas nicht sehr ölig, kleine Perlen widersetzen sich der Schwerkraft und krallen sich am Rand fest. Die Nase ist medizinisch und ich rieche etwas Phenolisches, zudem Kamille, Heu, Plastik, Minze und leichten Rauch. Am Gaumen entdecke ich die gleichen Aromen wie in der Nase, zudem Karamell und Bienenwachs. Der Alkohol ist sauber eingebunden. Das Finish ist dann etwas rauchig, leicht holzig und relativ kurz. Das ist ein typischer Vertreter der 2000er WIRD, man findet die charakteristischen Aromen anderer Abfüllungen wieder. Der Rum ist schön ausgewogen. Wer mich kennt weiss, dass ich kein besonderer Liebhaber von WIRD bin, ich kann mich mit diesen Geschmacksprofilen nicht identifizieren. Der S.B.S ist jedoch ein sauber verarbeiteter Rum aus dieser Destille, daher 83 Punkte

Maik: Die Nase gefällt mir ausgesprochen gut! Präsent ausgebildeter medizinischer Rauch, Mandel und geräucherter Waldhonig. Am Gaumen kommt eine Honig-Süße durch, Sternfrucht, Kräuter und Moos. Eine schöne Komposition. Abgang mittellang mit süßen Kräutern, wieder Honig und dezent bitteres Holz. Alkohol ist sehr gut eingebunden. Insgesamt hätte er etwas mehr Dampf vertragen können, schade! Trotzdem, ein sehr guter WIRD! 86 Punkte

Thomas: Ganz klassisch bei den 2000 Rockleys der dunkle Waldhonig in der Nase, etwas Rauch – nicht ganz so mächtig wie beim TRC WIRD 12yo – und ein Hauch von Vanille. Eine nicht ganz so spektakuläre Nase wie bei meinen beiden Vergleichskandidaten (TRC 12yo 61,6% und DT 15yo 52%) Nachtrag: nach 20 Minuten Standzeit öffnet sich der Rum deutlich und wird herber, kräuteriger und wesentlich interessanter :). Am Gaumen dann das selbe Spiel wie in der Nase: der Rum braucht definitiv mind. 15-20 Minuten bis er voll da ist. Vanille, Pfeffer, Honig, Gewürznelken und gut eingebundene 54% erwarten einen dann. Der Rum hat eine leichte Tranigkeit, wie ich sie von keinem Rockley kenne – nicht störend aber beim ersten Schluck überraschend. Im Abgang kommt nochmal der leichte Rauch aus der Nase zur Geltung und natürlich die medizinischen und kräuterigen Noten. Ein solider guter 2000 Rockley, der für mich im 2000 Rockley Mittelfeld spielt! 83 Punkte

 

S.B.S Jamaica 2000, Jamaika, 16y, 58,9%

Eric: Dunkles Gold, schöne natürliche Farbe. Am Glas bilden sich mittelgrosse Tröpfchen, die vereinzelt am Glas herablaufen. In der Nase zeigen sich dann die charakteristischen Aromen eines Hampden aus dem Jahr 2000. Ich persönlich finde die Nase etwas schwächer ausgeprägt, als z.B. beim TCRL oder Duncan Taylor des gleichen Jahrgangs. Schwache Esternoten nach Banane und Ananas, etwas Anis, frisches Heu und Vanille sowie leichte Anflüge von Bleistiftspänen und etwas Nussigem gesellen sich dazu. Nach ca. 15 Minuten im Glas kommt noch Bratapfel dazu. Am Gaumen dann die volle Hampden 2000er-Dröhnung :-). Der Alkohol ist super eingebunden, der Rum ist schön süss und ölig, ein fetter Film legt sich weich an den Gaumen. Ich finde die Aromen der Nase am Gaumen wieder, allerdings viel voller und stärker ausgeprägt, als es die Nase erwarten liess. Der Abgang ist relativ lang und ölig mit leichten Holzeinflüssen und einem Hauch von gebrannten Mandeln. Ein toller Vertreter der 2000er-Abfüllungen aus Hampden, daher  89 Punkte

Maik: In der Nase sind angenehme Vanille-Aromen, eine leicht säuerliche Bananennote und Kaugummi. Am Gaumen dezent-saure Schoko-Rosinen, reife Bananen, etwas bitter-süß und – wie für die 2000er Hampden typisch – verhältnismäßig wenig Ester. Der Alkohol ist sehr angenehm eingebunden. Der Abgang ist zunächst sehr kurz. Der Rum kommt dann aber wieder zurück mit Kaugummi, etwas bitteren Holznoten und minimaler Säure. Ester leider weniger. Insgesamt schmeckt mir der Rum aber gut, geht fast schon in Richtung Sipper. 85 Punkte

Thomas: Die Nase lässt keinen Zweifel, ein Hampden! Verhältnismäßig aber etwas weniger Ester als LROK Vergleichskandidaten aus dem Jahr 2000, dafür aber mehr Klebstoff. Ananas, überreife Bananene und Vanille sind außerdem zu finden – alles sehr typisch. Am Gaumen fällt direkt auf, dass ältere LROKs im Vergleich zu jüngeren fruchtiger und weniger kräuterig und medizinisch sind. Zu Beginn ist eine angenehme Süße zu finden, die sich bis zum Abgang in ein leichtes säuerliches Mundgefühl verändert. Begleitet durch gut eingebundene 58,9%, viel Frucht und Vanille mit einem typischen langen Hampden-Abgang ist das ein ordentlicher Vertreter des 2000 Jahrgangs. 84 Punkte

 

S.B.S Worthy Park 2006, Jamaica, 10y, 58,4%

Eric: Goldene Farbe, relativ ölig mit mittelgrossen Perlen, die vereinzelt herablaufen. In der Nase finde ich flambierte Bananen und Ananas, Lemongrass, Mango und Vanille. Auch etwas Rauch und medizinische Noten kann ich entdecken. Am Gaumen ist dieser Worthy Park herb-trocken mit leichten Taninen. Zu den oben genannten Aromen kommen noch gebrannte Mandeln hinzu. Der Abgang ist relativ lang und herb, leicht bitter nach Holzkohle. Auch die gebrannten Mandeln bleiben am Gaumen haften. Ein schöner Rum aus Worthy Park, mir gefällt dieses Herb-Trockene sehr gut. Er kommt allerdings für mich nicht ganz an den TRC Worthy Park 9 y (57,5%) heran. Trotzdem gute 87 Punkte

Maik: In der Nase Toffee, viel Vanille, etwas unauffällig zunächst und eher WP-untypisch. Der Rum braucht enorm viel Zeit im Glas, bevor er aufmacht. Am Gaumen nehme ich dann Aromen von Kräuter-Tee, Karamell, Schokolade, Bananen und angenehme Ester war. Der Abgang zeichnet sich durch die WP typische dominante kräutige Vanille-Note – allerdings keine Birne oder Sonnenblumenkerne – aus, leichte Ester und Schokolade. Hier spüre ich auch auch eine leichte holzige Bitterkeit. Insgesamt leider etwas flach und sprittig (aber lange nicht so sprittig wie der WP 2006 von HV). Trotzdem solide Abfüllung. 83 Punkte

Thomas: Eine sehr kräuterige Nase gefolgt von Bananen und Mangos. Leider finde ich keinen Birnen, wie ich sie aus dem 2005 Batch kenne – macht dem Ganzen aber keinen Abbruch, die Nase ist auch so gut! Banane und Mango sind auch wieder am Gaumen zu finden und die Kräuter verstecken sich auch hier nicht. Der Gaumen ist um einiges trockener, als man es von der Nase her vermuten würde – mein Mundraum zieht sich sogar ein wenig zusammen. Hinten raus wird er auch immer trockener und kräutriger, so dass die Früchte komplett verblassen und in einen sehr trocknen langen Abgang mit merkbarem Fass einfluss übergehen. Ein guter Rum mit ordentlicher Qualität. Für mich einen Tick zu trocken, Liebhaber von dieser kräutrigen Trockenheit werden ihn aber lieben. Begleitet wurde dieser Rum mit Kintra 2006 10yo 61,8% und CH 2006 57,9%. 83 Punkte