5+1 Blindsamples mit Twist!

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5 Blindsamples mit einem Bonussample vermeintlich von Eric zugeschickt, waren überhaupt nicht von Eric! Aber warum wurde ein Mittelsmann für die Blindsampels genutzt? Ganz einfach: in meinem letzten Blindtasting (sponsored by Marius) habe ich einen Volltreffer gelandet, aufgrund meines Wissens über den Besitz der Abfüllungen von Marius. Maik hat sich nun wohl gedacht, dass ihm das nicht passieren soll und hat Eric gebeten für ihn Blindsamples an mich zu versenden. Die komplette Story inklusive meinen Tipps, den Auflösungen und dem Twist gibt es auch bei uns im Rumclub Forum: Professor reloaded

Schwierig, schwierig – diesmal! Die Menge der Blindsamples sind diesmal jeweils 2cl. Das stellt mich vor eine neue Herausforderung, da ich i.d.R. 5cl habe und damit bis zu 3 Tastingssessions a ~1,7cl pro Session habe. So, was mach ich nun mit den 2cl? Eine Session mit 2cl oder zwei Session mit jeweils 1cl? Ich hab mich bei dem ersten Sample für das zweitere entschieden und anschließend variiert… Aber jetzt zu meinen Notes:

Isla del Ron Caroni 1989 – 2016, Trinidad, 27y, 52,5% (Blind-Sample 1) –  In der Nase gibt sich dieser Rum als leichterer, süßerer Kandidat zu erkennen, der mit aller Wahrscheinlichkeit aus einer Column Still kommen sollte. Karamell, Vanille, Toffee und etwas Eiche. Am Gaumen wird der Alkohol dann spürbar – sehr wuchtig mit ca. 60%. Nach einer Standzeit von einer knappen Stunde verschwand die unangenehme alkoholische Schärfe. Ich vermute ein Alter von ungefähr 10 Jahren, vielleicht aus etwas jünger. Der Eindruck aus der Nase was den Column Still Gedanken anging wird vom Gaumen bestätigt – auch die Süße ist präsent. Allerdings ist es kein normaler Spanier bzw. das was man mit einem Spanier assoziiert. Er ist etwas mundfüllender und hat auch eine Würze, die ich höchstens von Rums aus Belize kenne. Eher wie ein Column Still Rum aus der britischen Ecke. Am ehesten erinnert mich dieser Rum an den Mount Gay XO Cask Strength. 78 Punkte.

 

TheRumCask WIRD 2000-2013, Barbados, 12y, 61,6% (Blind-Sample 2) – Herber, würziger Honig, krasser Rauch und eine Note von Vanille in der Nase. Ganz klar ein Rockley! Die Nase geht voll am Gaumen auf – es ist alles wieder zu finden, am eindeutigsten ist aber der Rauch wahrzunehmen. Hinzukommen dunkle Gewürze in Form von schwarzem Pfeffer, Piment und Gewürznelken. Der Alkohol scheint mit seinen vermutlich knapp über ~55% gut eingebunden zu sein. Der Abgang ist geprägt von Rauch, warmen Rauch, einer leichten eichigen Bitterkeit und einem Hauch von Medizin. Einer der besseren Rockleys (wahrscheinlich) aus dem Jahr 2000 der ganz nahe an den Cadenheads BBR 11 yo ran kommt. Vielleicht sogar der Beste, das müsste aber ein Crosstasting zeigen. Schade, dass ich nur 2cl hatte, ich hätte mich gerne ein wenig mehr mit dem Rum beschäftigt und vielleicht noch ein Crosstasting gemacht. 89 Punkte.

 

Bristol Long Pond Vale Royal Wedderburn Style 2002-2011, Jamaika, 9y, 43% (Blind-Sample 3) – Huch, was hab ich hier im Glas? Ein Hauch von nichts ist in der Nase wahrnehmbar. Ok nicht ganz nichts, aber nicht viel! Im ersten Moment zumindest so wenig, das ich nichts direkt Greifbares finde – nicht einmal Alkohol. Nach einer Weile kommt mit etwas Fantasie Rohrzucker und Ananas zum Vorschein. Am Gaumen ist auch nicht wirklich viel auszumachen, da der Rum zu Tode verdünnt wurde und nach meinem Empfinden zu kurz ein Fass von innen gesehen hat oder in einem fast komplett inaktiven Fass gelegen ist. Kurz gesagt: er ist flach, aber auch nicht sprittig. Trotzdem stell ich mal die Vermutung auf, dass der Rum aus einer Pot Still kommt da er mich in manchen Sekunden (wo ich doch mal etwas wahrnehmen konnte) guyanische und/oder jamaikanische „Indizien“ finden konnte. Falls Guyana dann am ehesten Enmore/Versaills Stil und falls Jamaika dann Long Pond, aber am aller ehesten bin ich ratlos und stochere hier im Dunklen. Ich tippe mal auf ~43% und alterstechnisch sehr jung. Die Kombination von zu Tode verdünnt und ein Hauch von nichts bzw. nicht viel hatte ich in kürzerer Vergangenheit nur 1x und das war beim „The Secret Treasures Long Pond 1986“ und Parallel sind hier zu finden, wobei ich nicht glaube, dass dieser „Blinde“ 14 Jahre alt ist. 70 Punkte.

 

Rivière du Mât Agricole Old Cuvée Spéciale, La Réunion, 45% (Blind-Sample 4) – Ich rieche Rosinen, Bitterschokolade, Leder, frisch geschnittenes Gras und Zuckerrohr – sehr interessant, aber noch nicht ausmachbar, ob das ein Agricole ist oder nicht. Könnte aber sein, da mit zunehmender Zeit sich mehr und mehr florale Aromen breit machen. Der Gaumen ist sehr herb, würzig mit einer pfeffrigen Schärfe und vermutlich 44-46%. Der Abgang ist mittellang würzig und trocken. Puhhhh, Eric machts mir wirklich extrem schwer! Ich schwanke zwischen einem altem Agricole und einem ’98 Bellevue von Damoiseau. Bei der Durchsicht von älteren Notes, habe ich Parallelen zum Berrys Guadeloupe 15yo mit 46% gefunden – leider habe ich von diesem Rum nichts mehr da, um ein Quervergleich zu machen. Auch wenn es kein ’98iger Bellevue ist sondern ein richtiger Agricole, könnte Damoiseau trotzdem ganz gut passen. Vom Hocker hat mich der Rum nicht gehauen, ist aber trotzdem ein guter Rum mit ordentlicher Qualität. 82 Punkte.

 

ESALQ/USP Cachaca , Brasilien, 18y, 41% (Blind-Sample 5) – Meine Nase nimmt Honig, Zimt, Kirsche und Trauben war, aber alles sehr dünn. Im Mund erstmal nur wässriger Alkohol, etwas Vanille, wieder Zimt und Neutralalkohol. Der Abgang ist so gut wie nicht präsent… Auf der einen Seite bin ich froh, dass ich nur noch 1cl hatte, auf der anderen wäre es doch wohl interessant gewesen, mit etwas mehr Zeit/Rum vielleicht doch noch mehr herauszufinden. Ich hab leider absolut keine Ahnung was ich da vor mir hatte und ich glaube auch, dass ich diesen Rum noch nie im Glas hatte… Ich hoffe nicht, dass ich einen schlechten Tag hatte und Eric mir da eigtl. ein Zaubertrunk eingeschenkt hat :lol:. Unbewertet.

 

Lost Spirits Polynesian Inspired Rum Cask Strength, USA, 66% (Bonus Sample) – So nun zum Bonus Sample! Und hier würde ich auch wieder direkt sagen, dass es entweder ein exotischer Rum à la Japan ist oder wie bei sample 5 kein Rum ist. Leider ziemlich schwer mit nur 1 cl zu raten, Notes zu schreiben und sich dann noch auf die Spirituose einzulassen und herauszufinden, ob sie einem gefällt oder nicht. Die Nase ist auf jedenfall sehr würzig, herb, etwas grasig und Anklänge von Estern sind wahrzunehmen. Die Ester würde ich allerdings nicht in jamaikanische ecke packen – ich nehme hier eher süße, überreife Tomaten und Paprika war. Die Nase ist sehr interessant und gefällt mir gut. Am Gaumen dann die volle Power des Alkohols – ich würde mal so um die 60% tippen. Auch am Gaumen ist er herb & würzig, nur leider im Vergleich zur Nase eher eindimensional. Der Abgang ist mittellang, würzig/kräuterig. Wie oben erwähnt hab ich keinen blassen Schimmer, was ich da im Glas habe. Bin mir auch ziemlich sicher, dass ich diese Abfüllung auch noch nicht probiert habe! Beim Alter kann ich leider auch keinen Tipp abgeben, da die Verkostungsmenge einfach zu gering war. Ich tippe aber mal auf einen Arrak mit ungefähr 60%. Ist leider nur sehr unwahrscheinlich, da ich keinen gelagerten Arrak in Fassstärke gefunden habe! Unbewertet.