4 Blindsamples von Marius (Single Cask Rum Blog)

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Bei unserem Treffen in Köln im März, wo wir u.a. auch auf der Cologne Spirits waren, haben Marius und ich Blindsamples ausgetauscht. Diesesmal war ich wohl etwas schneller ;-). Die Tipps, Auflösung und Hintergründe findet ihr auch bei uns im Rumclub Forum: Prof bleibt Prof, da helfen keine Pillen. Sobald Marius seinen Post von meinen Blindsamples veröffentlicht, werde ich den Link hier auch vermerken. Jetzt aber zu meinen Notes seiner vier Blindsamples!

By the Dutch Batavia Arrack, Indonesien, Solera 8, 48% (Blind-Sample 1) –  Eine aromatische Nase: süß, grasig, frisch, fruchtig – Anklänge von Weißwein und Getreide. Am Gaumen auch sehr fruchtig und auch eher die exotischen Früchte: Maracuja und Papaya, eine leichte aber präsente alkoholische Schärfe, die aber etwas verwässert schmeckt. Ich würde hier einen Rum aus frischem Zuckerrohrsaft aus einer Pot Still vermuten, würde dafür aber nicht meine Hand ins Feuer legen, da ich mich in diesem Bereich nicht allzu gut auskenne. Er ist aufjedenfall aromtaisch-schwer, auf der anderen Seite aber für mich noch etwas jung. Ein paar weitere Jahre im Fass hätten ihm mit Sicherheit gestanden. Der Abgang ist länger als vermutet und sehr würzig/kräuterig mit etwas Anis. Ich tippe hier auf einen jungen Rum aus Haiti mit ungefähr 50%. 76 Punkte.

 

Kintra The Rum Collection C.A.C.D. 2004, Venezuela, 13y, 53,8% (Blind-Sample 2) – Eine leichte, typisch spanische Nase: vieeeeel Karamell/Toffee, Vanille, Leder und eine leichte Süße kommt einem nur so entgegengesprungen. Mit etwas Wasser kommt noch ein wenig Rauch dazu und Holzeinflüsse werden klar erkennbar. Am Gaumen ist die Süße aus der Nase direkt präsent und auch hier wieder Spanien, Spanien, Spanien mit ungefähr 55-56%. Der Alkohol sticht etwas, aber mit Standzeit oder ein paar Tropfen Wasser um einiges besser trinkbar. Der Abgang ist länger als man es von einem Spanier erwartet. Mit ein paar Tropfen Wasser finde ich den Rum eigentlich auch ganz angenehm als Sipper am Abend mit ein paar Freunden als Gesellschaft ganz okay. Venezuela ist für mich hier fast sicher und ich könnte mir hier gut den Kintra The Rum Collection C.A.C.D. Venezuela 13yo 2004 mit 53,8% vorstellen. 78 Punkte.

 

Port Royal Monymusk 1997, Jamaika, 7y, 46% (Blind-Sample 3) – Eine trockene würzige & fruchtige Nase, wahrscheinlich aus einer guyanischen Pot Still. Holz, feuchtes Gras, Anis und tropische Früchte in Form von Papaya und Honigmelone. Definitiv keine Fassstärke, da ich in der Nase kaum Alkohol wahrnehme. Am Gaumen dann trockenes Holz, Anis und eine leichte würzige Süße mit vermutlich 46-50%. Am Gaumen setzt sich der Gedanke des Pot Still Rums aus Guyana auf jeden Fall fort mit einem Alter von vielleicht 10-12 Jahren. Der Abgang ist würzig trocken und mittel lang. Mir gefällt dieser Rum ganz gut, kann mich aber nicht auf einen bestimmten Kandidaten festlegen – hatte ihn vermutlich auch noch nicht im Glas. 82 Punkte.

 

Rumclub Private Selection Ed. 8 Bielle, Marie Galante, 8y, 54,1% (Blind-Sample 4) – Ganz frisch eingeschenkt nehme ich mit meiner Nase im ersten Moment nur typisch spanische Aromen war: eine leichte Süße, Karamell, Honig und Vanille. Nach 3-4 Minuten wird er herber und würziger, etwas pflanzlich mit Schwarztee und Rosinen. Nach etwa 10-15 Minuten öffnet er dann komplett: Gras, erdige Aromen, Nelken und Zitrusfrüchte kommen jetzt zum Vorschein. Das muss ein Agricole sein – was mir aber auch wirklich erst nach den besagte 10-15 Minuten bewusst wurde. Am Gaumen dann klar als Agricole zu erkennen, aber nicht der typische Martinique Agricole, sondern etwas anders. Nasses Gras, Birnen, Melone, Karamell und sogar etwas Rauch ist zu finden mit ungefähr 53-55% und vermutlich noch jungspundig mit vielleicht 6-8 Jahren. Eine leichte aber angenehme Bitterkeit macht sich beim Abgang breit, die ihn auch etwas länger gestaltet als gedacht. Ich habe zwar noch nicht so viele Rums aus Bielle getrunken, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er von dort ist. Auf jeden Fall ein guter Rum, der Spass macht! 83 Punkte.