4 Blindsamples für Maik, Eric und Marius

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Es war mal wieder an der Zeit ein paar Blindsamples an die vereehrten Blogger Kollegen zu verschicken und so habe ich kurzer Hand vier Stück aus meinem Portfolio ausgesucht und sie parallel Maik, Eric und Marius (Single Cask Rum Blog) zukommen lassen. Erstaunlich wieviele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede in den Notes zu erkennen sind. Seht aber selbst:

TheRumCask Fiji South Pacific Distillery, Fiji, 15yo, 59,3% (Blind-Sample A)

Eric: Im Glas: Schöne güldene Farbe. Beim Schwenken bildet sich ein sehr dünner Film mit kleinen Tears am Glas, die sich am oberen Rand festkrallen zu scheinen. Beim zweiten Schwenken entstehen fette Schlieren. Nase: Ich rieche vor allem zuerst sehr viel frisch gemähtes Gras/Heu einer Sommerwiese. Ein medizinisches Aroma strömt mir aus dem Glas entgegen gepaart mit Kandiszucker und etwas leicht nussig-bitterem wie Bittermandel. Anschliessend entdecke ich etwas Fruchtiges in die Richtung eines Granny Smith Apfels. Dachte gleich an einen Rum aus Fidji, die medizinischen Noten lenken mich aber Richtung Barbados (WIRD) ab. Schöne Nase, die durchaus mehr verspricht. Ich hoffe allerdings, dass es kein WIRD ist, die sind in der Regel nicht so mein Ding. Gaumen: Herrliche Mischung süsser und herber Aromen, sehr gut abgestimmt. Zusätzlich Kräuter, Anis und dann leicht Pfeffrig. Der Alkohol ist sehr schön eingebunden. Abgang: Hier finde ich dann Bleistiftspäne sowie leichte aber angenehme Tanine. Der Abgang ist relativ lang. Fazit: Schöner Rum, schmeckt mir sehr gut. Habe ich endlich einen Barbados WIRD gefunden, der mir schmecken sollte? Die doch relativ starken grasigen Aromen lassen mich letztendlich zu einem Rum aus Fidji führen.
Ich tippe auf den Duncan Taylor Fiji 10 yo (2003-2014) mit 53,8%. 87 Punkte.

Maik: Die Nase schickt mich direkt nach Fiji. Eine angenehme Blüten-Süße, Rauch, Plaste, Iod und bourbon Vanille. Ich vernehme keinen stechenden Alkohol. Im Mund zeigt sich der Rum schön kräftig und dreckig. Präsente Aromen von Iod, Asche und Stroh. Aber auch süße Aromen von „Campino Pfirsich Joghurt Karamell“, Vanille und leicht agricole-ige Kräuter sind zu spüren. Der Rum hat eine angenehme Reife und wirkt nicht mehr jung. Den Alkohol würde ich auf Mitte 50% tippen. Im Abgang einen Hauch bitteres Holz, Plastik, dezentes Kokos-Aroma und etwas Pfeffer. Der Abgang ist eher kurz bis mittellang, hier hätte der Rum gerne noch mehr zeigen können. Insgesamt hat er mir sehr gut geschmeckt und ich tippe auf: TCRL Fiji 2009-2017 Navy Strength, 8yo, 57,18 %. 86 Punkte

Marius: Das riecht doch schon mal sehr ansprechend und familiär. Flambierte Honigbanane trifft frisches Zuckerrohr und ein kräutriges Profil das von Minze dominiert wird. Im Hintergrund kann ich ledrige Noten sowie etwas Plastik finden. Dazu ein Hauch von Papayas und etwas Karamell. Am Gaumen dominieren dann wieder die Minze sowie die Banane, die einer Dessertbanane vom Chinesen ähnelt. Dazu nicht zu wenige ester, mehr Kräuter und noch mehr Banane. Abgang: lang und relativ komplex mit vielen kommenden und gehenden Nuancen. Am prägnantesten ist jedoch die Honigbanane. Ein ganz großer Rum den ich kennen sollte, das Gegentesten hat die Angelegenheit für mich allerdings wieder einmal nur erschwert. Letztendlich habe ich mich für Fiji 2001 entscheiden, obwohl ich hier vor allem Elemente von Rums aus St. Lucia gefunden habe. TRC Fiji South Pacific Distillery 2001 15YO 59,3%. 90 Punkte.

 

Karukera BdF Millésime 1997, Martinique, 12yo, 46,3% (Blind-Sample B)

Eric: Im Glas: Goldbraun mit orangefarbenen Reflexen (Zuckerkulör?). Relativ ölig am Glas mit feinen Striemen. Nase: „Spanisch“, Vanille, Zucker, Bratapfel. Aber viel ist da nicht, die Nase ist relativ schwach. Das Aromaplättchen hält ein wenig die Düfte zurück, die sich aber nach dem Öffnen des Glases sehr schnell verflüchtigen. Keine außergewöhnlichen Aromen, etwas langweilig. Gaumen: Am Gaumen setzt sich dieser Eindruck leider fort. Süsser Alkohol, der ziemlich präsent ist. Ich denke so um 45 Vol%. Leichte Tabaknoten gesellen sich zu der Vanille und dem Zucker. Und das war es dann auch schon. Abgang: Sehr kurz und leicht bitter vom Fasseinfluss. Fazit: Sehr eindimensionaler Rum, ziemlich flach trotz des etwas höheren ABV. Lässt sich gut trinken, bietet aber keine Highlights und ist daher recht langweilig. Ich tippe auf den Botucal Distiller Collection, N°2 Barbet Rum, Venezuela, 47%. 70 Punkte.

Maik: Die Nase ist sehr aromatisch! Anfangs etwas stechend. Ich nehme Aromen von Zitrus, Honig, Leder und Tabak wahr. Am Gaumen kommen grasig-vegetale Agricole-Aromen, eine schöne Fruchtigkeit und wieder eine schöne prägnante Tabaknote. Etwas Holz, Schokolade und eine leichte cereale Getreide-Note kommen hinzu. Der Abgang ist mittellang. Hier kommt neben angenehmen Holznuancen auch Pfeffer, wieder Schokolade etwas Leder und Tabak. Insgesamt eine schöne Komposition! Ein leckerer Rhum, den ich nach Guadeloupe oder genauer Bielle oder Karukera stecken würde! Den Alkohol schätze ich im oberen 40er Bereich. Ich tippe auf: KARUKERA Guadeloupe 2008 L’Expression – 60 ans LMDW 48,4%. 86 Punkte

Marius: Hier habe ich direkt typische Agricole Noten in der Nase sowie eine leichte alkoholische Schärfe. Grasige Noten treffen Rosinen, etwas Lakritz und generell viel Fasseinfluss der den Rhum mit schönen würzige Aspekten bereichert. Eine leicht käsig/ nussige Note rundet das Bild ab. Recht ausgewogen und für das vermeintliche Alter nur dezent bitter. Eine ansprechende süße (Brombeere) trifft auf eine schöne Würze mit Pfeffer, Muskat und Nelke. Dazu Anklänge von Trockenobst (Pflaume) und Süßholzraspeln. Die Nase kommt mir nun bekannter vor, am Gaumen habe ich immer noch nicht so viel Durchblick. Im Abgang die hauptsächlich Nelke und Gerbstoffe. Ein solider Rum, mir aber dann doch irgendwie nicht spannend genug ist. Die Bitterkeit ist insgesamt doch leicht störend. Exoten würde ich bis auf eventuell Riviere du Mat weitestgehend ausschließen, finde aber Argumente für sowohl Guadeloupe als auch Martinique. Karukera/ Longueteau kommmt mir hier in den Sinn aber auch Aspekte von Clément und J.M. kann ich finden. Clément, Martinique, 10YO, 45%. 82 Punkte.

 

Corman-Collins Old Jamaique Long Pond 1977, Jamaika, 35yo, 50% (Blind-Sample C)

Eric: Im Glas: Schön golden „Russetmuscat“. Nase: Ich bin zwar beim letzten Blinden B mit der Herkunft Spanien heftig auf die Nase gefallen, trotzdem tippe ich auch hier wieder auf einen Rum des spanischen Stils. Am Anfang sticht der Alkohol ein wenig, das legt sich aber nach einer Weile im Glas. Ich rieche Toffee, Blutorange, einen Hauch von Leder und Maggi. Später gesellt sich noch die Frische von Zedernholz dazu. Gaumen: Im Antritt schön süss, ohne zu überladen oder künstlich zu sein. Dann kommen herbere Noten vom Holz, Karamell oder Kandiszucker und etwas reife Feige. Schön ausgewogen und rund. Abgang: Relativ kurz und süss, am Ende leichte Tanine und etwas metallisch. Fazit: Schmeckt mir gut. Schöner Sipper, den man schnell nach dem Einschenken geniessen kann. Ich tippe auf den Pellegrini Panama 2000-2013, 13 yo, Sherry Cask mit 50%. 85 Punkte.

Maik: In der Nase Schokolade, etwas Tabak, aber auch etwas stechend. Ein spanisches Profil. Panama? Guatemala? Dazu etwas süß-säuerliche Drachenfrucht. Nach einiger Stehzeit auch etwas Tannine und Sherry Noten.
Am Gaumen wieder Schokolade und Leder. Leicht fruchtig und vanillig. Ganz dezent ein Hauch von Ester und Klebstoff. Eher unspektakulär. Den Alkohol schätze ich auf ca. 45-46. Diese sind aber gut eingebunden. Der Abgang ist kurz und glatt mit Schokolade, Pfeffer, wieder Noten des spanischen Stils und ganz zum Schluss dann doch etwas bitter und präsente Fassaromen. Das Profil im Abgang erinnert mich leicht auch an 77er und Jamaica. Ich würde entweder auf einen jüngeren Darsa tippen oder einen sehr lange gelagerten Jamaicaner, der leider seine tollen und typischen Aromen verloren hat. Da schwirrt mir z.b. Kill Devil Darsa 2007 46% im Kopf herum. Ich tippe aber doch – leicht verwirrt – auf eine „etwas“ andere Abfüllung: Rum Nation Supreme Lord II, Long Pond, 26yo, 1977-2003. 45%. Insgesamt zwar gut zu sippen, aber recht unspektakulär. 79 Punkte

Marius: Nase: Ungewöhnlicher Stoff. Ich nehme zuerst Sulfate wahr, danach eine Mischung aus roten Äpfeln, Nelken und Pfeffer. Dazu gesellen sich dezente Anklänge von Süßholz und Tabak. Ganz so schlau werde ich hieraus noch nicht. Gaumen: Am Gaumen mehr oder weniger das gleiche Bild: Die Noten von Sulfat sind nicht mehr so stark und ähneln nicht abgebrannnten Streichhölzern. Die Äpel und Nelken sowie den Pfeffer kann ich auch wiederfinden. Nun ist der Rum auch als ein Produkt auf Zuckerrohrbasis oder vielleicht als Mischung aus Saft und Melasse zu erkennen. Nach der Nase hatte ich noch einen traditionallen Column Still Rum aus Barbados im Kopf. Der Alkohol ist nicht besonders gut eingebunden und die Verdünnung ist deutlich spürbar. Ich tippe hier auf ein Produkt aus dem indischen Ozean, also Mauritius oder La Reunion. Abgang: Same old. Mittellang mit Äpfeln, Nelken und Pfeffer. Irgendwas passt hier für mich nicht so ganz zusammen und ich kann noch nicht genau erkennen was. Das Zusammenspiel der Geschmacksnoten funktioniert einfach nicht so ganz wie erhofft. Saint Aubin, 47%, Mauritius, 6YO. 77 Punkte.

 

Ron Mulata, Kuba, 15yo, 38% (Blind-Sample D)

Eric: Im Glas: Schöne Bernsteinfarbe. Am Glas sehr ölig mit dicken Schlieren. Nase: Anfangs ist die Nase nicht sehr intensiv ausgeprägt, vor allem Kandiszucker/Vanille sticht hervor. Tiefer im Glas entdecke ich dann etwas Rauch und leichte Spuren von Teer, zudem etwas Zitrus vom Fass und getrocknete Aprikose. Gegen später habe ich eine Assoziation von noch warmen Marmorkuchen. Gaumen: Es überwiegt der Puderzucker und die Vanille zu denen sich ein Hauch von Bleistiftspänen und etwas Mango gesellen. Abgang: Kurz, süss und recht flach. Fazit: Diesem Rum fehlen die Ecken und Kanten, mir persönlich sind die Puderzuckernoten zu stark ausgeprägt. Trotzdem ein gefälliger, gut ausbalancierter Rum. Ich tippe auf den Plantation Trinidad 2003 Grand Terroir, 42%, obwohl ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, dass Thomas den hat. 80 Punkte.

Maik: In der Nase nehme ich Karamell, Schokolade, deutliche Sherry-Süße und leichte Zitrus/Sternfrucht-Noten wahr. Am Gaumen kommt eine seltsame leichte Bratennote, etwas Muffigkeit und wieder Milchschokolade. Irgendwie sehr überladen von einem Finish. Trotzdem finde ich etwas, was ich nach Nicaragua tippen würde. Der Abgang ist eher kurz, ein wenig scharf, sehr süß, kurz und glatt. Etwas Vanille, Walnuss und wieder Milchschokolade. Insgesamt recht süß und eher spanisch harmlos. Als Digestif eventuell gar nicht schlecht. Ich tippe auf: Single Cask Community, Januar 2018 Abfüllung, Nicaragua, Compania Licorera de Nicaragua (Flor de Cana), 50.2%, 6 Jahre, 3y Bourbon, 3y Sherry. 79 Punkte

Marius: Hier brauchte ich zwei Anläufe. Meine Geschmacksnerven haben mir doch erst schon einen großen Streich gespielt. War die Nase bei der ersten Verkostung noch sehr verschlossen mit süßem, frischen Zuckerrohrsaft, Pfirsich und saurer Ananas nehme ich jetzt vor allem Gewürze und unreife Orangen wahr. Dann typische Demerara Holznoten mit leichtem Obstlercharakter. War ich beim ersten verkosten noch bei einem Agricole, bin ich jetzt ganz klar in Guyana, oder genauer, Versailles. Die typischen Bleistiftspäne und Backpflaumen sind zwar sehr verhalten aber dennoch präsent. Dann leicht kräutrige Noten (Rosmarin) und wieder etwas orangiges sowie ein Hauch von Birne. Der Rum ist auf jeden Fall ein Ausreißer. Abgang: Recht lang mit Obstler und italienischen Kräutern. Ich tippe hier auf ein schlechtes Fass eines sonst guten Rums mit leichter Verdünnung, wobei diese wohl nicht das „Problem“ darstellt. Kintra Enmore 1990 27YO 53,7%. 80 Punkte.