Blindverkostung: der 12. Rumexperte (2018) des Rum-Club Forums

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Der Rumexperte steht wieder an! Der Rumexperte ist eine im Rum-Club Forum ausgetragene Blindverkostung von Thomas aka airprib, bei der jeder Teilnehmer 5 Blind-Samples zugesendet bekommt und bis zu einem definierten Stichtag seine Tipps zu den Blind-Samples abgeben muss. Für diese Tipps gibt es Punkte und derjenige mit den meisten Punkten darf sich dann Rumexperte nennen. Das Ganze wird immer am Folgetag durch airprib im entsprechenden Thread im Forum, nach und nach über den gesamten Tag, aufgelöst. Den Thread zur Anmeldung & Auflösung findet ihr hier: RUMexperte 2018

Edit: unser Blog-Kollege Marius hat seine Eindrücke zu den Rums hier festgehalten: SCR – Rumexpert Blind-Tasting #12

An dieser Stelle nocheinmal ein herzliches Danke an airprib für das Organisieren, Kümmern und das Austragen des Rumexperten – es hat wie immer viel Spaß gemacht! Nun lasst uns aber mal über Maiks, Erics und meine Notes und Tipps drüberschauen:

Botucal Distillery Coll. No.1 Batch Kettle, 6yo, Venezuela, 47% (Blind-Sample 1)

Eric: Aspekt: Farbe Bernstein. Viele kleine Perlen bilden sich und werden gemächlich dicker, vereinen sich schließlich in einer wilden Orgie und laufen dann behäbig vereinzelt am Glas herab. Nase: Vanille, leichte Kräuternoten, Orangenzeste, Bienenwachs und etwas leichte rote Beeren. In der Nase etwas alkoholisch. Gaumen: Nicht so süß, wie ich es nach der Nase erwartet hätte, sehr schön. Die Vanille und eine leichte Pfeffernote, sowie die Einflüsse des Holzfasses machen sich am stärksten bemerkbar. Recht eindimensional. Gefällig, aber nichts Außergewöhnliches. Abgang/Trockenes Glas: Kurz und herb. Fazit: Ein angenehmer Sipper ohne besondere Extras. Ich hoffe, der liegt in einer dementsprechenden Preiskategorie. Ein „everybody’s Darling“ Rum, wie es Richard Seale versteht, herzustellen. Alle irgendwie ähnlich. Ein qualitativ gut verarbeiteter, einfach gehaltener Rum, um eine möglichst große Zielgruppe anzusprechen. Mein Tipp: Foursquare Premise 10 YO Rum 46%. 75 Punkte

Maik: In der Nase nehme ich sahnige Schokolade, Vanille und etwas Rauch wahr. Im Mund taucht angekokeltes Holz, Schokolade und Aprikose auf. Das Mundgefühl ist einerseits etwas holzig, andererseits etwas stumpf metallisch. Der Abgang ist eher kurz, etwas alkoholisch mit Noten von Schokolade, Schwarztee und einer präsenten Süße. Insgesamt etwas flach und der Sipp-Charakter wird durch den präsenten Alkohol etwas gebremst. Mein Tipp: Isla del Ron Nicaragua 2007-2018 mit 47,8%. 65 Punkte

Thomas: Joa, spanischer Stil, sehr deutlich! Dazu leider sehr alkoholisch mit Lösungsmittelgeruch. Karamell, Vanille, Getreide und süßlich. Am Gaumen stark brennender Alkohol, aber nicht wegen höhren Prozenten, sondern wegen schlecht eingebundenem Alkohol. Der Rum dürfte 46-48% haben, die aber ordentlich brennen. Er ist würzig mit einer leichten Bitterkeit – leider aber überhaupt nicht tiefgehend oder spannend. Der Abgang ist vernachlässigbar kurz und nicht wirklich aromatisch. Er erinnert mich sehr stark an den kürzlich probierten Botucal Distillery Coll. No. 1 Batch Kettle 47%. 57 Punkte

Feingeisterei Gut Basthorst Don Ruffin Batch 1, Deutschland, ?yo, 43% (Blind-Sample 2)

Eric: Aspekt: Farbe Strohgelb. Dünner Film am Glas, dicke Tears entscheiden sich langsam dazu, vereinzelt am Glas herabzulaufen. Nase: Limette, Pampelmuse, ein paar Kräuter. Die Nase ist sehr dezent, leider zu schwach. Rieche ich überhaupt etwas???? Gaumen: Rosenwasser, Nelke, Zimt. Schmeckt mehr wie ein Obstler. Insgesamt ein bisschen fade, etwas sprittig und irgendwie künstlich. Zuckersüße dominiert. Abgang/Trockenes Glas: Abgang? Welcher Abgang? Soweit kam es erst gar nicht. Nein Joke, nichts Besonderes, eigentlich nur süß nach Zucker und später kommt wieder das Rosenwasser zum Vorschein. Fazit: Keine Ahnung, ich tippe auf irgendwas Exotisches wie Japan (Ryoma, Nine Leaves), Seychellen, oder ähnlich. Beim ersten Mal im Glas fand ich ihn echt schrecklich. Mit zunehmender Dauer und ein paar Verkostungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten habe ich jedoch etwas Gefallen an diesem Rum gefunden. 75 Punkte

Maik: In der Nase zeigen sich präsente Noten von Birne, eingelegten Aprikosen und Vanille. Ganz leicht kommt auch eine Modellkleber-Note auf. Insgesamt sehr aromatisch. Von der Nase her würde ich einen verdünnten Worthy Park tippen, wobei mir die Ester und Sonnenblumenkerne fehlen. Im Mund erinnert mich der Rum eher ein wenig an St. Lucia, wenn auch sehr verdünnt und nicht sehr aromen-dicht. Kräuter, Gras, süßer Honig und etwas wässrig. Außerdem glaube ich, ein deutliches Brandy-Finish zu schmecken. Der Abgang ist mittellang mit einer deutlichen Bitterkeit, Reife, Kleber, Birne und Schokolade.
Das Tippen ist mir hier sehr schwer gefallen. Ich schwanke zwischen einem WP, St. Lucia oder einem sehr alten Jamaicaner (LP/MM). Kam mir irgendwie bekannt vor. Allerdings verwirrt mich die gebotene Reife, wodurch mir schwer fällt, auf einen jungen Rum zu tippen. Sicher eh irgendein Exot. 82 Punkte

Thomas: Eine sehr fruchtige Nase, die mich sofort an einen Obstler-St. Lucia/Bellevue ’98 Mix denken lässt – sehr interessant. Am Gaumen dann leider die Ernüchterung: ein sehr dünner und junger Rum, der wohl auf 43-44% verdünnt wurde und dem das Wasser nicht gut getan hat. Der Gaumen ist leider viel weniger komplex und aromatisch als die Nase vermuten lässt. Alterstechnisch würde ich ihn auf ca. 3-6 Jahre schätzen. Leider ist für mich auch nicht greifbar, ob es sich hier um ein Melasse oder ein Zuckerrohrsaft Destillat handelt, da ich diese Art von Rum noch nicht getrunken habe. Eine Einschätzung ist hier für mich auch nicht möglich, da es sich höchstwahrscheinlich um einen Exoten handelt. 67 Punkte

Velier Caroni 1996, Trinidad, 21yo, 57,18% (Blind-Sample 3)

Eric: Aspekt: Farbe Mahagoni, rötliche Reflexe. Definitiv nicht nachgefärbt, tolle Farbe von der Fassreifung. Ölige, fette Perlen, geringe Tröpfchenbildung. Sieht gut aus. Nase: Ha, er hat es wieder getan LOVE – LOVE – LOVE. Trinidad Caroni unverwechselbar. Aber keiner in absoluter Fassstärke zudem noch sehr dunkel. Die typischen Caroni-Aromen nach heißem Asphalt, Fahrradschlauch, gepaart mit dunklen Beeren, Anis, Nelke und Zimt. Zudem ein leichter Hauch von Lagerfeuer am Strand. Seufz, einfach klasse. Gaumen: Auch hier wieder absolut typisch. Anfangs etwas sprittig und bitter vom Holz. Das legt sich glücklicherweise nach einer Weile im Glas, der Alkohol ist gut eingebunden. Süßlich-herb mit o.g. Aromen, gefälliger Caroni ohne große Ecken und Kanten. Einer von der „Caroni for everybody“-Sorte ;-). Toller Caroni, jedoch für mich nicht ganz oben in der Liste der Rums aus dieser Destillerie. Abgang/Trockenes Glas: Mittellang, herb, leicht bitter mit einem Hauch von Muskatnuss und leicht pfeffrig. Fazit: Lecker, siehe Gaumen. Ein 1997er Caroni ist es für mich nicht, er passt sich von den Aromen her vielmehr in die 1996er-Reihe ein. Da er keine volle Fassstärke hat, denke ich an die 100% Trinidad Extra Strong Reihe und insbesondere an den 21 Jahre alten Rum. 85 Punkte

Maik: Die Nase sagt klar Caroni. Lampenöl, etwas Menthol, Benzin und Gummi. Hier fehlt etwas die erhoffte Toffee-Süße. Der Alkohol sticht etwas in der Nase. Am Gaumen kommen Noten von Vanille-Eis, etwas Tabak, Holz und dezent Bitumen. Der Rum wirkt recht frisch und leicht, aber auch leider etwas scharf. Alkohol würde ich auf 53-55% tippen. Der Rum veweilt noch lange. Noten von geleimten Holz, Schwarztee, Nelke, Menthol und Öl verbleiben. Für mich könnte es etwas mehr Holz und Vollmundigkeit sein. Trotzdem lecker! Mein Tipp: Berry Bros & Rudd Caroni Trinidad Rum 19 Jahre 1997-2017 for Haromex – 59,1%. 85 Punkte

Thomas: Ein sehr bekannte Süße findet sich in der Nase, die ich zu Beginn direkt nach Guyana gesteckt hätte. Eine sehr tiefgehende und komplexe Nase. Dunkle Schokolade, Blutorange und leicht angekokeltes Karamell. Oh, beim ersten Schluck wird klar, dass dieser Rum wahrscheinlich doch nicht aus Guyana kommen kann. Er hat eine sehr elegante Süße, ohne Ecken und Kanten aber Tiefgang mit 55-60%. Die Dunkle Schokolade aus der Nase und das Karamell sind hier auch wieder sehr dominant. Tabak, kandierte Nüsse und etwas Vanille. Der Abgang wird zunehmend trockener und eine ganz leichte angenehme Bitterkeit macht sich auf dem Gaumen bemerkbar. Im Abgang erkennt am ehesten, dass es sich hier um einen etwas älteren und sehr runden Caroni handeln muss – am ehesten kommt hier für mich der Velier Caroni 21 – 57,18% in Frage. 90 Punkte

Rieggers Selection Artesano, Panama , 8yo, 43,8% (Blind-Sample 4)

Eric: Aspekt: Farbe Strohgelb, identisch mit Sample 2. Gleicher Rum? Haha, Thomas lässt sich manchmal komische Sachen einfallen. Auch die Tröpfchenbildung ist ziemlich ähnlich, vereinzelte dicke Tears. Nase: Schwache Nase, Weintraube, Puderzucker, Schwefel. Die Aromen lassen mich mehr an einen Whisky mit einem Weinfinish, als an einen Rum denken. Nase weicht von #2 ab ;-D. Doch nicht der gleiche Rum, aber bei Sadist airprib weiß man das nie LOL. Gaumen: Im Antritt süß, Vanille, Puderzucker. Irgendwie künstlich parfümiert, Weißwein, ziemlich eindimensional. Abgang/Trockenes Glas: Kurz und süß, später kommen Aromen von Aprikose hinzu. Fazit: Ich habe keine Ahnung, wo ich den hinstecken soll. Lässt sich zwar angenehm trinken, hat keinerlei Ecken und Kanten und die Puderzuckeraromen übertünchen alles weitere. Mein Tipp: Plantation  Guatemala XO Ice whine Finish 41,2%.  70 Punkte

Maik: Die Nase ist zunächst etwas stechend und alkoholisch. Nach etwas Zeit beruhigt sich der Rum und es zeigt sich Vanille, etwas süßer Weisswein und Karamell. Allerdings etwas unauffällig. Im Mund ist der Rum etwas herbal, süßlich mit einer deutlichen Aschenote und etwas Blutorange. Das schreit nach Islay Finish. Der Rum wirkt etwas sehr verdünnt mit geschätzten 43-45%. Der Abgang ist wieder geprägt vom Finish mit Asche und Kohle und wieder etwas Vanille und Toffee. Auch wenn ich rauchige Finishes mag, finde ich, dass der Grundrum ausbaufähig wäre, wie es auch bei den CDI Boulet de Canon der Fall war. Mein Tipp: Rieggers, Artesano Panama Rum 8 Anos Peated Whisky Cask Finish – 43,8%. 72 Punkte

Thomas: Ist das ein Whisky oder ein Rum? Prägnante Islay Noten, etwas Torf und typische Whisky Aromen nehmen meine Nase wahr. Nach etwas Standzeit kommen Ester, Vanille und Weisswein zum Vorschein, was stark auf einen Rum mit Whiskyfinish hindeutet. Am Gaumen setzen sich die Islay Assotiationen weiter fort, gepaart mit einer starken Süße. So Süß, dass ich hier sogar auf Zuckerzusatz tippen würde. Dieser Rum erinnert mich stark an den Our Rum and Spirit – Our Blend oder an den Compagnie des Indes Boulet de Canon 4. Ein Quervergleich zeigt auch deutliche Ähnlichkeit zum CdI BdC4, allerdings ist er sehr viel trockener als der Blind-Kandidat. Vanille und Karamell lassen mich zu Zentral-Amerika hintendieren, die Ester und die Ähnlichkeit zum OR&S und CDI allerdings in Richtung Jamaika. Es ist aufjedenfall ein sehr junger Rum (6-8yo) mit einem Alkoholgehalt von ~46%. Die „Islay-Überlagerung“ verändert die Charakteristika des Rums aber so sehr, dass ich leider keine konkrete Idee habe, wo dieser Rum her sein könnte. 70 Punkte

Habitation Velier Last Ward 2007, Barbados, 10yo, 59% (Blind-Sample 5)

Eric: Aspekt: Farbe Golden. Viele unzählige kleine Perlen bilden sich am Rand. Viele kleine Striemen, die sich gleichmäßig um das Glas verteilen. Nase: Schöne „warme“ Note, Alkohol dringt durch, ich tippe auf eine Fassstärke. Ich vernehme Einflüsse von Menthol und Zedernholz, sowie Kirsche, Vanille und Gewürznelke. Gaumen: Herb-süß, schön rund und ausgewogen. Ganz leichte angenehme Bitterkeit vom Faß. Ansonsten finde ich die Aromen aus der Nase wieder. Abgang/Trockenes Glas: Relativ lang und angenehm süß, gegen Ende gesellt sich ein Hauch von Tintenkiller hinzu. Fazit: Typischer Vertreter der Travellers Destillerie. Angenehm süß aber nicht aufdringlich, gut eingebundener Alkohol. Mein Tipp: TheRumCask Belize single cask 2006-2017, 11 yo, Travellers Destillery, Mark MBT, 63,2%. 85 Punkte

Maik: Puh, auch hier geht die Nase wieder nach Caroni, wenn auch sehr gedämpft und alkoholisch. Ich rieche dezent Eisbonbon, Saiten-Pflege und Lampenöl. Wenn dann ist das eher ein light-style Caroni, oder teaspooned. Im Mund dann Vanille, Kleber und minimal Benzin. Hier fehlt das Caroni-typische fast gänzlich und der Rum ist sehr scharf und nicht allzu komplex. Der Abgang ist kurz bis mittellang mit deutlichem Holz, Vanille, Menthol, Schokolade und wieder etwas Caroni-Style.
Die unangenehme hohe alkoholische Schärfe kenne ich in dieser Art sonst nur von Barbados aus Foursquare sowie Mount Gilboa Abfüllungen. Aber mich irritiert das Caroni-typische Benzin/Lampenöl, das kenne ich von Barbados nicht. Ich tippe mal auf Trinidad Destillers und glaube, denen sind ein paar Liter Caroni mit ins Fass reingefallen. Für einen Rum aus Guyana der im Caroni Fass gefinisht wurde, fehlen mir jegliche Guyana Aromen. 67 Punkte

Thomas: Die Nase sagt: ganz klar ein Pot Still Rum, schön tief und voll. Klebstoff, Brombeeren und ein Süße von Vanille und Karamell. Am Gaumen schlägt der Alkohol komplett unerwartet zu, mit ungefähr 60%, sehr mundfüllend und würzig, aber ohne die Süße aus der Nase. Der Abgang ist mittellang und sehr trocken. Leider gefällt mir die alkoholische Schärfe nicht ganz. Vergleiche ich bestehende Notes mit diesen hier, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich hier um den Habitation Velier Last Ward 2007 handelt. 83 Punkte