Blindverkostung: der 13. Rumexperte (2019) des Rum-Club Forums

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Der Rumexperte steht wieder an! Der Rumexperte ist eine im Rum-Club Forum ausgetragene Blindverkostung von Thomas aka airprib, bei der jeder Teilnehmer 5 Blind-Samples zugesendet bekommt und bis zu einem definierten Stichtag seine Tipps zu den Blind-Samples abgeben muss. Für diese Tipps gibt es Punkte und derjenige mit den meisten Punkten darf sich dann Rumexperte nennen. Das Ganze wird immer am Folgetag durch airprib im entsprechenden Thread im Forum, nach und nach über den gesamten Tag, aufgelöst. Den Thread zur Anmeldung & Auflösung findet ihr hier: RUMexperte 2019

Unser Blog-Kollege Marius, welcher den zweiten Platz belegt hat, hat seine Eindrücke zu den Rums hier festgehalten: SCR – Rumexpert Blind Tasting 2019 (#13)

An dieser Stelle nocheinmal ein herzliches Danke an airprib für das Organisieren, Kümmern und das Austragen des Rumexperten – es hat wie immer viel Spaß gemacht! Nun lasst uns aber mal über Maiks, Erics und meine Notes und Tipps drüberschauen:

Schwarz New Grove (Grays) 2009, Mauritius, 9YO, 54,7% (Blind-Sample 1)

Eric: Aspekt: Farbe Bernstein. Zuerst bilden sich viele kleine Perlen, die sich dann in zahlreichen Striemchen aufreihen, um in einzelnen dicken Tränen herabzulaufen. Nase: Blumig, Puderzucker, Zitrus, leichtes Holz, Brausestäbchen. Nase relativ schwach ausgeprägt, aber ganz angenehm. Gaumen: Cremig, ölig („fleischig“), angenehm süß, blumig, Aprikose. Ganz leichte Bitterkeit, aber nicht unangenehm. Ganz lecker. Abgang/Trockenes Glas: Relativ lang, süßlich-herb, Kräuter, leichte Säure. Fazit: Ein angenehmer Sipper. Schöne Balance zwischen Süße und den restlichen Aromen. Sehr harmonischer Rum, gefällt mir sehr gut. Meine ersten Gedanken gingen zu einem Spanier (Panama) in Fassstärke, bis diese „exotische“ Note hinzukam. Mein Tipp: New Grove 2009 Savoir Faire (Single Cask 395). 87 Punkte

Maik: In der Nase habe ich Schokolade, Waldbeeren und eine angenehme Holz-Note mit leichter Säure. Ausgewogen frisch und etwas reif. Im Mund dann erstmal reichlich Schärfe, Beeren, etwas bitteres Holz und wieder eine gewisse Frische. Außerdem roter Pfeffer und einen Hauch von Cognac-Noten. Der Abgang ist mittellang, aber etwas eindimensional mit dunkler Eiche und Schokolade. Außerdem ist der Alkohol wieder präsent da. Insgesamt gut trinkbar, aber nichts allzu Spannendes und der Alkohol könnte etwas besser eingebunden sein. Ich vermute hier einen Rum aus der Travellers Distillery aus Belize mit ungefähr 54%. 78 Punkte

Thomas: In der Nase etwas Kleber, Pfirsich, Nektarinen, was mich sofort nach Mauritius – ganz konrket: Grays(New Grove) bringt. Am Gaumen wird klar, dass der Rum definitiv über 50% hat, was bedeutet, dass er nicht für den lokalen Markt in Mauritius gemacht wurde. In Mauritius darf kein Rum über 50% verkauft werden, soweit mir bekannt. Zu den Pfirsichen und Nektarinen kommen Aprikosen, Trauben, Orangen und Äpfel dazu. Der Abgang ist mittellang und trocken werdender. Ein guter Rum, der nicht ganz an andere New Grove/Grays Abfüllungen ran kommt, aber nichts destotrotz lecker ist. Hier habe ich auch eine konkrete Abfüllung im Auge, die es sein könnte: New Grove 2009 for The Nectar Belgium mit 54,7% – 81 Punkte

Foursquare Zinfandel Cask Blend 2004, Barbados, 11yo, 43% (Blind-Sample 2)

Eric: Aspekt: Farbe Golden. Sehr dünner Film am Glas, es bilden sich schnell mittelgroße Schlieren, die sich zu fetten Tropfen zusammenfinden und dann regelrecht am Glas kleben bleiben. Nase: Kirsche, dunkle Früchte, etwas Lakritze und ein bisschen Rauch/Kaminfeuer, Heu und leichte Pfeffernoten. Schön ausgewogene Nase, gefällt ganz gut. Gaumen: Leider ist dieser Rum am Gaumen eindimensionaler, als in der Nase. Ich schmecke Noten von Puderzucker, Vanille, Cocktailkirsche, Zimt, Pfirsich und etwas Apfel. Abgang/Trockenes Glas: Relativ kurz und nach Puderzucker, am Ende „staubig“. Fazit: Schade, die Nase hat mehr erwarten lassen. Dennoch kein schlechter Rum, lässt sich gut trinken, hat aber nichts Besonderes an sich. Irgendwie „everybody’s darling“, daher tippe ich auf einen Rum aus der Foursquare Destille. 75 Punkte

Maik: Die Nase ist sehr verhalten, etwas alkoholisch stumpf. Nach einer gewissen Zeit im Glas Karamell, Vanille und etwas Orangenschale. Im Mund ist der Rum wirklich dünn und etwas scharf. Ich nehme Schokolade und Noten von Sportsocken wahr. Das erinnert mich irgendwie an einen Cuba Rum z.B. Ron Mulata. Der Abgang ist leider auch sehr kurz und schwach. Etwas Schokolade, Diacetyl, dann verschwindet er. Insgesamt eher schwacher und unspektakulärer Rum. Nichtsdestotrotz vermutlich ein Rum aus der Foursquare Distillery mit ungefähr 43%. 62 Punkte

Thomas: Vanille, Karamel, etwas Tabak und Leder. In den ersten 5-10 Minuten dachte ich, es handle sich um einen Spanier. Mit etwas Zeit kommen aber für mich Fouresquare typische Aromen hervor. Salzlake, Mandeln und Zimt werden mit der Zeit präsent. Am Gaumen ist dann ein leichter, stark verdünnter Rum mit 43-44% aus einer Columnstil oder ein Blend mit einem sehr großem Columnanteil auszumachen. Typische belanglose spanische Aromen… Der Abgang ist mittellang und trocken. Nicht ganz mein Fall. Ich tippe auf einen ~10 jährigen Rum der Foursquare Distillery mit 43-44%. 67 Punkte

The Overseas Trail Caroni 1996, Trinidad, 17yo, 46% (Blind-Sample 3)

Eric: Aspekt: Farbe Bernstein. Es bilden sich gleich recht große Tropfen, die dann vereinzelt herabrinnen. Nase: Der erste Eindruck lässt mich gleich an Caroni denken, allerdings sind die typischen Aromen nur sehr schwach ausgeprägt (schwacher Alkoholgehalt?). Gaumen: Leichte Caroni-Noten (eventuell ein Finish??). Sehr eindimensionaler/flacher Rum. Ich schmecke etwas Gummi, Kampfer und Nelken. Abgang/Trockenes Glas: kurz. Fazit: Enttäuschend, dem Rum fehlt definitiv Charakter ist zu stark herabverdünnt. Trotzdem bleibe ich bei Caroni undzwar beim “ Classic Bristol Caroni VSOC 40%“. 65 Punkte

Maik: Huch? Rauch, Gummi, eine Menge roter Gummibärchen und Steinobst. Die Caroni-Reifen kommen nach einer Zeit im Glas deutlich nach vorn. Der Körper passt nicht ganz zur Nase. Die Caroni Aromen sind da aber irgendwie etwas aufgesetzt, passen dennoch gut. Der Rum ist ansonsten eher zahm, etwas Holz, etwas Süße, ein Hauch Vanille und zartes Holz. Im mittellangen Abgang etwas Lampenöl, Holz, Gummi. Bei erneutem Test nehme ich deutlich weniger Caroni wahr, dafür ordentlich Vanille, Birne, Aprikose und Gummibärchen. Jetzt erinnert er mich an einen Sancti Spiritus. Ist das ein Caroni Blend? Teaspooned mit der Kelle? oder ein Caroni Finish, was man tatsächlich mal schmeckt? Der Grundcharakter ist mir etwas zu rund, aber die Caroni Noten sind sehr interressant – und mehr als verwirrend. Hätte ich beim ersten Mal noch auf den Guyana aus dem Caroni Cask getippt, würde ich jetzt eher nach Cuba gehen. Immer noch verwirrt. 77 Punkte

Worthy Park Sherry 2003, Jamaika, 5yo, 57% (Blind-Sample 4)

Eric: Aspekt: Farbe Golden. Mittelgroße Perlen, viele Striemen am Glas. Nase: Erster Eindruck Guyana? Ich rieche ein Potpourri verschiedener Kräuter, Lakritze, Bleistift und Anis. Gaumen: Etwas sprittig, der Alkohol ist nicht perfekt eingebunden. Wieder die Kräuter, Noten von Süßkirsche, Vanille und Anis. Abgang/Trockenes Glas: Mittellang, dann kommen Anflüge von Tintenkiller. Fazit: Ganz leckerer Vertreter seiner Art. Der Alkohol könnte etwas besser eingebunden sein. Ansonsten ein interessanter Rum, der sehr vielschichtig ist. Mein Tipp: The Rum Cask Guyana Diamond 10 yo 2008-2018 Sherry Cask Finish, 53,6%. 80 Punkte

Maik: In der Nase nehme ich Vanille, Lychee und Sonnenblumenkerne wahr. Aromen von Birne kommen ebenfalls dazu. Erinnert mich sehr an WP. Im Mund sehr angenehm, vanillig, minimale Ester und wieder Lychee! Im Abgang eine angenehme süße Note (Finish?), etwas Holz, Banane und Birne. Alkohol könnte einen Tick besser eingebunden sein! Meine Vermutung: Worthy Park OA Special Cask Release Port Vintage 2008-2018 mit 56%. 83 Punkte

Thomas: Süßer Sherry, Bananen und Birne sind in der Nase wahrnehmbar. Am Gaumen zu Beginn sehr süß, wird aber hintenraus immer trockener, mit einem deutlichen Sherrytouch. Der Abgang ist mittellang, trocken und sherrylastig. Ein toller Potstil Rum, der vermutlich aus Worthy Park oder aus Guyana (PM) kommt. Ich tendiere aber zur Worthy Park Sherry 2013-2018, Jamaika, 57% Abfüllung. 85 Punkte

Schwarz C.A.C.D. 2004, Venezuela, 14yo, 55% (Blind-Sample 5)

Eric: Aspekt: Farbe Mahagoni. Ganz kleine Perlen bilden sich, werden immer grösser und rinnen dann vereinzelt am Glas herab. Nase: Oha, das riecht stark nach einem Finish, vermutlich Sherry. Dunkle Beeren, leicht überreife Früchte, Zimtnelke, Heidelbeere, Trockenpflaume und ein Hauch von Aceton. Tolle Nase, I love it. Gaumen: Am Gaumen dann rote Beeren, Kirsche, Anis, etwas Holz und etwas Ledriges, ein Hauch von Kräuter. Abgang/Trockenes Glas: Mittellang bis lang. Trocken, holzig-herb. Anis und Salz, dann etwas Minze. Fazit: Mein Winner dieses RumExperten. Toller Rum mit einem markanten aber nicht zu dominanten Finish. Schön ausbalanciert, tolles Gleichgewicht zwischen den fruchtigen, süßen und herben Noten. Mein Tipp: S.B.S Guyana 1998 Uitvlugt (Port Mourant) 19 yo, Oloroso Finish 62,4%. 92 Punkte

Maik: In der Nase habe ich hier Schokolade, Melasse, minimal rauchiger Honig und Gewürz-Noten. Karamellnoten sind aber hier dominant. Der Alkohol brennt etwas in der Nase, hier erwarte ich eine höhere Fassstärke. Im Mund dann relativ süßlich, wieder Karamell, aber auch etwas Kardamom und Nelke. Der Abgang ist mittellang und hat dezente Holzaromen von Zedernholz, etwas Eiche und wieder eine angenehme Süße. Die Alkoholstärke ist allerdings überall recht präsent. Meine konkrete Idee geht zum Anam na h-Alba goes Guyana Single Cask 10y, 66.6%. 75 Punkte

Thomas: Leichte, typische spanische Nase: Vanille, Leder und eine karamellige Süße. Am Gaumen dann die volle Süße mit etwas stechenden ~55%. Der Abgang ist länger, als man es von Spaniern kennt. Ein solider einfacher, nicht vordernder Rum, den man gerne zum BBQ trinken kann. Für mich ganz klar ein C.A.C.D Rum aus Venezula aus dem Jahre 2004. 79 Punkte