Zwei Blindsamples und ein Vergleichskandidat

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Innerhalb unserer kleinen Rumliebhabergruppe hat Johannes aus Berlin einige Flaschen für uns geteilt. Meinem Paket mit den Samples der Flaschenteilungen lagen auch zwei 2 cl Samples bei, die nicht zu den erwarteten Samples gehört haben und nur mit 1. und 2. nummeriert waren. Mir war direkt klar, dass Johannes mir hier zwei Blindsamples mit ins Paket gepackt hat. Ich liebe Blindproben vorallem für ein Review und  Bewertung, da dies meiner Meinung nach die ehrlichste Art&Weise ist einen Rum zu analysieren, seine Qualität einzuschätzen und ihn schlussendlich auch zu bewerten. Vielen Dank für diese beiden Proben Johannes 🙂 … Nun aber zu den Blindreviews und meinen Tipps:

HSE Chateau La Tour Blanche 2005-2018, Martinique, 12y, 41% (Blind-Sample 1) – Die Nase erkennt direkt ein Agricole: etwas Grasigkeit, süßer Weißwein, Leder, Erde und Fasseinfluss mit schönen würzigen Apsekten. Trinkstärke am Gaumen mit ~43% und der wuchtigen Würze, die bereits in der Nase wahrnehmbar war. Leider finde ich am Gaumen, die für Agricole Rhums ausergewöhnliche Weißwein-Süße aus der Nase nicht wieder. Könnte auf ein Finish oder eine Geruchsverirrung meinerseits hindeuten ;-). Der Abgang ist mittellang und sehr würzig. Ein leckerer Agricole, nicht mehr und nicht weniger. Ich tippe auf einen Martinique Rhum aus Le Simon (Clément, HSE) mit ~43% und 9-12 Jahren (evtl. mit einem Süßweinfinish). 81 Punkte

 

Banks Connoisseur’s Cut MPMM 1997, Guyana, 16y, 59,58% (Blind-Sample 2) – Eine volle im ersten Moment stechende Nase mit ganz viel Klebstoff und Anis, etwas Leder, Mango und Papayas – aufjeden Fall kein Rum in Trinkstärke! Das stechende in der Nase weicht nach ca. 10-15 Minuten komplett und gibt den o.g. typischen Port Mourant Aromen den Weg frei. Der Gaumen zeigt, dass es sich hier vermutlich um volle Fassstärke mit ca. 60% handeln muss. Sehr vollmundig und komplex mit den o.g. Früchten und jeder Menge Anis und anderen Gewürzen. Je näher es zum Abgang geht desto cremiger wird das Mundgefühl. Was denn auch sonst als Anis finden wir im Abgang? Und davon jede Menge 🙂 … Gepaart mit viel Eiche und etwas Tabak. Ein schöner typisch langer PM-Abgang. Mir hat dieser PM sehr gut gefallen und vergleiche ich diese Notes mit bestehenden Notes von mir, fällt eine Ähnlichkeit zum TheRumCask PM 1997 auf. Im Crosstasting der beiden Rums würde ich tippen, dass beide aus dem selben Batch kommen, sich aber in % und Reife unterscheiden. Der TRC scheint mir ein paar Jahre älter zu sein und einen etwas niedrigeren Alkohol gehalt zu haben. Leider kommt der blinde Kandidat auch nicht ganz an den TRC ran. Nichtsdestotrotz ein sehr guter Rum. Ich tippe auf einen PM mit 15-17 Jahren aus dem Jahr 1997 und ungefähr 60%. 87 Punkte

 

TheRumCask Uitvlugt (PM) 1997, Guyana, 20y, 56,5% – Im direkten Vergleich mit dem Banks entfällt das Stechende in der Nase, ansonsten sind sich beide Rums in der Nase sehr ähnlich. Am Gaumen wird im direkten Vergleich zum einem sofort klar, dass die % vol. etwas niedriger sein müssen und dass die TRC Abfüllung länger reifen durfte. Der TRC ist komplexer und in seiner Konsistenz um einiges cremiger, vorallem im Abgang umschmeichelt den Gaumen mit cremigem Anis und präsenteren Eichenaromen als beim Vergleichskandidat. Ein super Rum, zu einem sehr guten Preis. Good Job TRC! 89 Punkte


PS: mittlerweile habe ich drei weitere Blindsamples von Johannes erhalten, die wahrscheinlich auch bald hier vorgestellt werden!